Die Austellung der Swiss Design Awards 2019 läuft noch bis zum 16. Juni. Die Awards werden heute, 11. Juni 2019 in der Halle 3 der Messe Basel verliehen. Fotos: BAK

Swiss Design Awards 2019

Die Ausstellung der Swiss Design Awards 2019 zeigt ein tiefgreifendes Verständnis des Designbegriffs. Aus den 48 Nominierten zeichnet das Bundesamt für Kultur heute Abend 17 Positionen aus.

Die Basler Messehallen sind in diesen Tagen von Kunst und Design in Beschlag genommen.  Neben der grossen Art Basel stellt das Bundesamt für Kultur (BAK) die Nominierten und Ausgezeichneten der Swiss Art and Design Awards am Rande des Geländes in der Halle 3 aus. Am Pfingstmontag wurden dort bereits die Künstler und Architektinnen geehrt. EMI Architekten erhielten den Zuschlag, ihre architektonische Intervention ‹Antropomorphe Form› im kommenden Jahr in ebendieser Halle umzusetzen.

Die Ausstellung
Einen Tag später werden nun auch die Preise fürs Design verliehen. Die ausgestellten Positionen dehnen und kneten den Designbegriff: Fotografinnen sind Grafiker, sind Unternehmerinnen sind Aktivisten. Viele der Nominierten arbeiten kollaborativ über geografische und disziplinäre Grenzen hinweg, in ihren Projekten wagen sie sich an soziale und nachhaltige Themen. Der Weg gehe hin zu einer Disziplin, «die integrativer, bewusster und selbstbestimmter wird», heisst es auf dem Blog der Awards. Ganz in diesem Sinne gestaltete Lucas Uhlmann – bereits zum zweiten Mal – die Szenografie der Ausstellung. Die im letzten Jahr verwendeten Materialien setzte er neu zusammen, entwarf daraus Tische und Bänke.

Die Ausgezeichneten
Die Ausstellung zeigt die Arbeiten der 48 Nominierten, davon erhalten siebzehn Designschaffende eine Auszeichnung (Bilder dazu oben in der Galerie).
Im Bereich Grafikdesign zeichnete die Jury fünf Arbeiten aus, darunter der ‹Voicewriter› von Sylvan Lanz. Aus Intonation, Lautstärke und Sprechgeschwindigkeit generiert die Web App aus verschiedenen Schriftarten ein variables Schriftbild. Weitere Gewinner sind Ondřej Báchor, Guillaume Chuard mit Daniel Nørregaard, Ann Kern und Pascal Storz mit Fabian Bremer.

Sylvan Lanz, Voicewriter (Foto: Vincent Levrat)

Drei fotografische Positionen erhalten eine Auszeichnung: Marc Asekhame, Lukas Hoffmann und Solène Gün. Die Fotografin mit Jahrgang 1996 zeigt Begegnungen mit Jugendlichen in Banlieues, die Kompositionsarbeit gestaltet sie gemeinsam mit den Portraitierten. Ihr poetischer Blick durchleuchtet dabei gängige Klischees und beidseitige Vorurteile.

Solène Gün

In den zwei Disziplinen Vermittlung und Szenografie wurde jeweils ein Projekt ausgezeichnet. Daniel Zamarbide gestaltete die Installation Lampedusa, die beiden Gestalterinnen Corinne Gisel und Nina Paim konzipierten, kuratierten und inszenierten die Ausstellung ‹The Department of Non-Binaries›. Als Common-Interest gebrauchen die beiden «Design wie eine Linse, durch die sie die Welt anschauen», heisst es im Jury-Bericht.

Common Interest, The Department of Non-Binaries (Foto: Etienne Malapert)

Jede Ausstellung braucht einen Stuhl – das gilt auch für den Swiss Design Award in der Rubrik ‹Produkte und Objekte›. Neben dem Kunststoffstuhl ‹Midi› von Micael Filipe und Romain Viricel gehen drei weitere Auszeichnungen an Egli Studio für ‹Easy Aluminium›, einem für den Aussenbereich aus Halbzeug entwickelten Tisch- und Banksystem, erneut an Julie Richoz für eine vierteilige Arbeit sowie an Dimitri Nassisi für seinen urbanen Wasserspender ‹Drinking Hydranst›, einer gelungenen Fusion von Hydrant und Trinkbrunnen.

Dimitri Nassisi, The Drinking Hydrant

Unter den drei ausgezeichneten Positionen im Modedesign befindet sich die Kollektion ‹Suspended Bodies That Will Never Fall› von Rafael Kuoto. Sie scheint wie das Zwischenglied zwischen den ebenfalls ausgezeichneten Kollektionen von Sandro Marzo und den beiden Designerinnen hinter Ottolinger: Christa Bösch und Cosima Gadient.

Rafael Kuoto, Suspended Bodies That Will Never Fall (Foto: Jean-Vincent Simonet)


Die Grossen
Die Ausstellung wird mittig von drei Regalen geschnitten. Auf jedem der drei Elementen präsentiert jeweils eine Preisträgerin des Grand Prix Design 2019 ihr Schaffen. Connie Hüsser grüsst ihre Nachbarn Rosmarie Baltensweiler und den Grafiker Thomi Wolfensberger vor ihrem Regal mit einer Fussmatte mit der Aufschrift «The Neighbors have better stuff». Das meint die Gestalterin ganz wörtlich und doch besticht gerade ihre Interpretation des Lagerregals durch Leuchtkraft und Energie. Auf der einen Seite nutzt sie das Möbel als Zwischenablage für ihr der Gentrifikation zum Opfer gefallenes Atelier, auf der anderen Seite erzählt sie ihre Arbeit für Häuser wie Vitra. Was nun Vorder- und was Rückseite sein soll, entscheidet die Betrachterin.

Fussmatte vor Conie Hüssers Regal.

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