Das Giessen von Bronze ist ein Tausende Jahre altes Handwerk. Fotos: Schumacher & Frey

Feuer und Flamme

Mehr als zehn Jahre begleitete der Regisseur Iwan Schumacher das Team der Kunstgiesserei St. Gallen. Hochparterre, Emch Aufzüge und das Kino Riffraff organisieren die Vorpremiere des Films.

Es kracht. Man blickt in einen rotglühenden Kessel. Menschen in silbernen Schutzanzügen. Ruhe. Die Bilder, mit denen der Filmer Iwan Schumacher die Kunstgiesserei St. Gallen porträtiert, sprühen Funken. Seit mehr als zehn Jahren folgt er Felix Lehner, dem Kunstgiesser, und seinem Team. Anfang der Neunzigerjahre fand Lehner das aufgelassene Färbereiareal und machte es zu einem Kraftort, an dem heute fünfzig Menschen wirken, Frauen und Männer. Lange blickt ihnen die Kamera über die Schultern. Wenn sie Gipsformen mit Silikon oder Wachs bestreichen. Wenn sie dampfend Bronze patinieren. Wenn sie schweigend mit Künstlern vor einem Werk sitzen oder lautstark an einem langen Tisch gemeinsam zu Mittag essen. Auch nach China folgt er ihnen, wohin sie der Erfolg führte, auf der Suche nach einer Möglichkeit, riesige Skulpturen herzustellen. Eine fremde Welt.

Zwischen solchen Extremen pendelt der Film: vom gewachsenen Fabrikbiotop in St. Gallen zur Industriehalle irgendwo in Shanghai. Vom alten Handwerk zum 3-D-Scanner. Vom inzwischen verstorbenen Hans Josephsohn zu den Zeitgenossen der globalen Kunstwelt: Peter Fischli, Paul McCarthy, Katharina Fritsch, Urs Fischer. Vom lebenslangen Formen, Schauen, Prüfen, Zweifeln des alten Josephsohn zum zehnsekundigen Kneten eines Tonklumpens des jungen Fischer. Aus diesem Klumpen Erde wächst mithilfe von Lasertechnik und Erfindergeist, Funken und Schweiss über Monate ein 13 Meter hohes Kunstwerk. Aus Aluminium und Stahl konstruiert überragt es ein chinesisches Kohlfeld, als hätte ein gigantischer Regenwurm seinen Auswurf hinterlassen. Ganz beiläufig stellt der Film Fragen: Hat der herkömmliche Bildhauer ausgedient? Ist es richtig, in China zu produzieren? Vor allem aber zeigt der Film Handwerk. Und Menschen, mit dem, was ein Protagonist «das heilige Glühen in den Augen» nennt.
Axel Simon, Fotos: Schumacher & Frey

Feuer und Flamme, 2014

Regie: Iwan Schumacher, Zürich
Drehbuch: Iwan Schumacher, Anja Bombelli, Martin Jaeggi
Produktion: Schumacher & Frey, Schweizer Radio und Fernsehen
Kamera: Pio Corradi, Iwan Schumacher
Musik: Victor Moser

Hochparterre Kino
Hochparterre, Emch Aufzüge und das Kino Riffraff organisieren am 10. Juni 2014 um 21 Uhr die Schweizer Vorpremiere des Films im Kino Riffraff in Zürich. Danach sprechen der Kunstgiesser Felix Lehner und der Regisseur Iwan Schumacher. Emch lädt zum Apéro.
Anmelden: veranstaltungen.hochparterre.ch

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 5/14 der Zeitschrift Hochparterre.

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