Obwohl Sabrina Cerea und Leonardo Angelucci mittlerweile von Zürich aus arbeiten, stammt der Grossteil ihrer Kundschaft nach wie vor aus dem Tessin. Fotos: Nelly Rodriguez

Zentrumslust (4/7)

Die Serie «Im Süden viel Neues» widmet sich der Tessiner Designszene. Auch Sabrina Cerea und Leonardo Angelucci von Studio 0xfff, 0x000 waren Teil davon – bis sie den Südkanton verliessen.

«Wenn du im Tessin bleibst, sieht dich niemand», sagt Sabrina Cerea. Die Grafikerin sitzt mit dem Interaction Designer Leonardo Angelucci in einem Café am Zürcher Helvetiaplatz, nebenan dröhnt eine Putzmaschine. Kurz vor Ausbruch der Pandemie zog das Paar von Lugano nach Zürich. Es hoffe, hier mehr Inspiration für die Entwicklung des gemeinsamen Studios zu finden. Der grösste Teil seiner Kundschaft stammt nach wie vor aus der Südschweiz, darunter Architekturbüros, Möbelmarken, Städte sowie die Mehrheit der Kulturinstitutionen. «Wer bereit ist, viel zu geben, kann im Tessin einiges erreichen. Zwar gibt es nur wenige gute Auftraggeberinnen, dafür aber auch weniger Konkurrenz als anderswo», sagt Leonardo Angelucci. Was fehlte, war die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen: «Viele blicken aus einer anderen Perspektive aufs Design», sagt sie. Auch die Bereitschaft für qualitativ hochstehende Kommunikation angemessen zu zahlen, sei geringer als in der Deutschschweiz. Während in Zürich auch Bars oder Haarsalons ein eigenes Corporate Design hätten, würden solche Arbeiten im Tessin oft von Bekannten übernommen. ###Media_2### Sabrina Cerea hat visuelle Kommunikation an der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) studiert, wo auch Angelucci seinen Abschluss gemacht hat. Beide arbeiteten zeitweise in der Kreativagentur CCRZ in Balerna, sie als Angestellte, er als Freelancer. «In deren Umfeld zu sein, war anregend. Sie sind mit Abstand die Besten im Tessin», sagt Angelucci. Zu bleiben, war für das Paar dennoch keine Option. Dass viele Junge den Kanton verlassen, halten sie für die Konsequenz einer fehlgeleiteten Politik: «Lugano ist wie ein Dorf, das vorgibt, eine Stadt zu sein», erklärt Cerea, «Es will ein zweites Monte Carlo werden, mit einem Casino und teuren Restaurants. Für die Jungen bleibt je länger je weniger.» Auch ih...
Zentrumslust (4/7)

Die Serie «Im Süden viel Neues» widmet sich der Tessiner Designszene. Auch Sabrina Cerea und Leonardo Angelucci von Studio 0xfff, 0x000 waren Teil davon – bis sie den Südkanton verliessen.

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