Hermann Czech, 87, bei der Eröffnung seiner Ausstellung in Wien. Foto: Axel Simon Fotos: Lisa Rastl

Nicht verführen, überzeugen!

Eine Ausstellung in Wien zeigt den ganzen Hermann Czech. Ein Muss, auch wenn man die Restaurants und Häuser, Ausstellungen und ungebaute Planungen des Wiener Architekten schon kennt. Dann erst recht!

 

Zeitenwende, sogar in Wien: In der Schausammlung des MAK (Museum für Angewandte Kunst) vervollständigten Studierende der Transmedialen Kunst eine Sitzecke von Adolf Loos mit den hundertjährigen Akten seiner Verurteilung wegen Pädophilie. Und im kürzlich erweiterten Wienmuseum erfährt man, dass der Literat und Loos-Freund Peter Altenberg es noch ärger mit Kindern trieb. Alte (hier: tote) Männer werden reihenweise von ihren Sockeln gestossen. Ein anderer alter Mann ist aktuell wie nie. Vernissage für Hermann Czech, Jahrgang 1936. Der ‹fjk3 – Raum für zeitgenössische Kunst› ist an dem Abend nicht nur gefüllt mit dem Werk des Wiener Architekten, sondern auch mit viel Architekturvolk. Die grauen Haare halten sich in den weitläufigen Sälen mit den blauen Haaren und pinken Kappen ungefähr die Waage. Die Gen Z, so scheint es, liebt Czech. Schon für die letztjährige Architekturbiennale in Venedig hatte er zusammen mit dem jungen Kollektiv AKT den österreichischen Beitrag konzipiert. Der erste Anlass im Rahmenprogramm der neuen Ausstellung: ein Gespräch Czechs «mit der jüngeren Generation» am 4. April. Diese Liebe ist nicht selbstverständlich. Zum einen wegen Czechs Alter, aber auch wegen seines eher sperrigen Wiener Wesens und weil er sein gesamtes berufliches Leben die Glut eines Adolf Loos, Josef Frank und anderer toter Männer gehegt und weitergereicht hat. Was findet das Jungvolk plötzlich an Tradition? Was findet sie an Hermann Czech? ###Media_2### Die Ausstellung am Franz-Josefs-Kai gibt darauf grossartig Antwort. Sie zeigt «den ganzen Czech», macht die erstaunliche Aktualität seiner Haltung greifbar. Seine Jugendlichkeit – und damit meine ich nicht die Tatsache, dass er bis spät in die Nacht in der Menge schwimmt, mit allen redet, für Selfies hinsteht (!) und am nächsten Tag zur mehrstündigen Führung erscheint. Natürlich treffen Texte, wie sein ...
Nicht verführen, überzeugen!

Eine Ausstellung in Wien zeigt den ganzen Hermann Czech. Ein Muss, auch wenn man die Restaurants und Häuser, Ausstellungen und ungebaute Planungen des Wiener Architekten schon kennt. Dann erst recht!

 

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