Galerie mit Torte: Kollhoff füllt die ETH-Halle standesgemäss. Fotos: Andres Herzog

Hans Kollhoff – Praxis und Lehre 1987–2012

Hans Kollhoff geht als Professor der ETH, die ihn noch einmal richtig feiert: Eine gediegene Ausstellung versammelt eigene Werke und Studentenarbeiten von den Anfängen bis heute, vom «Jungen Wilden» zum konservativen Klassiker.

Als hätte Gottfried Semper (oder zumindest Gustav Gull) das ETH-Hauptgebäude weitergebaut: Zwei doppelmannshohe Wände verwandeln die zugige Haupthalle in eine Gemäldegalerie. Das Kapitellprofil der alten Pfeiler ziehen sich nahtlos in die Länge, darunter hängen «petersburgisch» auf ockerfarbenem Putz keine Gemälde, doch immerhin Meisterwerke, Entwürfe und Bauten Hans Kollhoffs 1984 bis heute, vom jungen Wilden der Achtzigerjahre bis hin zur aktuellen Vedute einer idealen, einer klassischen Stadt, zusammengesetzt aus Kollhoffs Hochhäusern und Palazzi, also doch ein Gemälde.

Kollhoff geht, wie wir in unserer Titelgeschichte vom November 2011 breit berichteten. Der Professor verlässt die ETH, die ihn mit dieser Ausstellung feiert (das Departement und seine Professur, nicht das gta). Zur Eröffnung defilierten gestern Abend elegant gekleidete Jungarchitekten durch die Galerie, erfreuten sich insgeheim, einmal die Originalzeichnungen und –collagen des frühen Meisters zu sehen: den «Amboss» für ein Museum in Frankfurt, die Hochhausmaschine «Atlanpole» für Nantes, ungebaut, ungezähmt, noch von Hand auf die Serviette geworfen. Dann schlichen sie auf die Rückseite der Wand, wo die Studentenarbeiten seit 1987 chronologisch Koje um Koje füllen, überflogen unruhigen Blickes die Eichenrahmen, suchten «sich», ihr Diplom, ihren Entwurf, ihren Stuhl, fühlten sich als Teil der Ära, die nun zu Ende geht.

Und fragten sich gegenseitig, ob es noch einen Vortrag gäbe, ein Gespräch? Keinen Apéro? Und wann wird die Torte angeschnitten, gross wie ein römischer Grabhügel? Ach so, die ist aus Gips, aus gestapelten Modellen. Von den einleitenden Worten des Meisters am plätschernden Brunnen, umringt vom weiten Kreis seiner Jünger, bekam nur die erste Reihe etwas mit. Auch einen Buchtisch gab es nicht, um im zweiten Band von Kollhoffs «Architekturlehre» zu blättern. Wurscht, es war eine Vernissage, es ging ums Sehen und Gesehen werden und der kleine Kreis, vielleicht auch der etwas grössere fand sich anschliessend bestimmt noch zu einem Mahl zusammen. Zum Beispiel in der Kronenhalle.

Ausstellung in der Haupthalle vom ETH-Zentrum, bis zum 22. März; Mo-Fr 8-22 Uhr, Sa 8-17 Uhr. Katalog: Hans Kollhoff – Architekturlehre II. Niggli Verlag 2012, CHF 98

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Kommentare

Axel Simon 13.03.2012 08:19
Ja, es war eine Vernissage, es ging um Sehen und Gesehen werden – doch einen Buchtisch gab es, entgegen meiner vom grossen Andrang getrübten Wahrnehmung, doch, wie uns die Kollegin vom Niggli-Verlag mitteilte. Und der war nicht weniger umdrängt als der Apérotisch, den ich auch nicht sah. Wo sich beides befand, weiss ich allerdings immer noch nicht. In der Torte?
Christina Bösel 26.03.2012 11:54
Lieber Herr Simon, das mit dem Büchertisch kann ich nur bestätigen – ich stand dort den halben Abend! Sie sehen den Apéro- und Büchertischbereich auf dem Foto oben über dem Häuserberg ... dort, wo sich so viele Leute tummeln ... Mit herzlichen Grüßen, der Niggli-Verlag
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Ich kann das Bild nicht lesen