Thomas Rau kündigte gestern den Start der Materialplattform Madaster für die Schweiz an.

«Aufschreiben statt abschreiben»

Thomas Rau will mit der Plattform Madaster dafür sorgen, dass wir Gebäude zu 100 Prozent wieder verwerten. Gestern kündigte er den Start des Materialkatasters für die Schweiz an.

Thomas Rau ist «Architekt und Visionär, guided by the future», steht auf dem Bildschirm hinter ihm. Doch der Mann ist heute von Holland an die Empa in Dübendorf gereist, um Klartext zu reden, nicht um PR-Floskeln zu dreschen. «Das System ist am Ende», sagt der deutsche Architekten, dem man anhört, dass er seit dreissig Jahren in den Niederlanden lebt. «Also müssen wir die ganze Wertschöpfungskette überdenken.» Niemand kenne die Zukunft, aber eines stehe fest: «Was auch immer wir entwerfen, es wird zeitlich sein.» Thomas Rau hat eine Mission. Er will den Materialien, die wir wegschmeissen und verbrennen, ihren Wert zurückgeben. 2016 veröffentlichte er zusammen mit Sabine Oberhuber das Buch «Material Matters», das im September auf Deutsch erschienen ist. Vor einem Jahr hat er eine gemeinnützige Stiftung gegründet und die Online-Plattform Madaster ins Leben gerufen. Das Wort steht kurz für material-cadaster, also ein Register für Baustoffe. Eigentümer können auf der Webseite speichern, welche Materialien in ihrem Gebäude verbaut wurden: Wie viel Holz, Beton oder Glas. Madaster berechnet den finanziellen Wert dieser Baustoffe, damit bei einem Umbau oder Abbruch nichts verschwendet wird. «Wir müssen den Wert aufschreiben statt abschreiben», sagt Rau. Eine Prozentzahl zeigt an, wie hoch die Wiederverwertbarkeit des Gebäudes ist. Raus Ziel: Baumaterialien zu 100 Prozent wieder zu verwerten.

Das Video erklärt das Konzept von Madaster.

Die Baudaten für ein Einfamilienhaus online lagern, kostet pro Jahr rund 20 Euro. Bei grösseren Gebäuden wird es entsprechend teurer. Madaster hat keinen Zugriff auf die Informationen, ausser der Eigentümer willigt ein, betont Rau. «Stellen sie sich einen Banktresor vor.» Die Plattform ging vor einem Jahr in Holland online, gestern kündigte sie den Start für nächsten Sommer in der Schweiz an. Derzeit sucht die Stiftung Pioniere, die das Projekt mit 50'000 Franken unterstützen. Die Baufirma Eberhard und die Versicherung Swiss Re sind bereits mit an Board. Madaster will die Materialbibliothek an die Schweizer Bedürfnisse anpassen und bestehende Register einbinden. Thomas Rau hat derweil noch grössere Pläne. Er will die Plattform auf Infrastrukturbauten und später auf Produkte ausdehnen. «Die Erde ist ein geschlossenes System», sagt der Architekt. «Darum ist alles gleich wichtig, unabhängig vom monetären Wert.» Im Dezember wird er darum der UNO die universellen Rechte der Materialien überreichen, eines davon soll zum Beispiel die Reinheit sein. Thomas Rau, der Visionär eben.

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