Dirk Hebel: von der Expo-Wolke zum Pilzstein. (Foto: Peter Hauser)

Der Materialmann

Seit der Expo-Wolke erforscht der Architekt Dirk Hebel, wie wir mit Wasser, Pilzen oder Bambus bauen könnten. Nun verlässt der Professor nach 14 Jahren die ETH.

«Ich möchte aus Pilzen ein Haus wachsen lassen», sagt Dirk Hebel mit einem selbstverständlichen Grinsen auf dem Gesicht, als wäre die Rede von Backsteinen. Der ETH-Professor steht in seiner Wunderkammer im kühlen Gebäude HIT auf dem Hönggerberg in Zürich. In der Hand hält er tatsächlich so etwas wie einen Ziegel. Er besteht nicht aus gebranntem Lehm, sondern aus Sägemehl, das von einem Pilz überwuchert zusammengehalten wird. Ein leichter Block, der beachtliche Druckkräfte aufnehmen kann. Für die NGO Smiling Gecko will Hebel in Kambodscha Ende Jahr damit erstmals einstöckig bauen. Sein Ziel ist aber höher: Künftig will er die Pilzstruktur verdichten, um mehrgeschossig und tragend konstruieren zu können – wie mit herkömmlichen Backsteinen. Dirk Hebel, 45, trägt ein blaues Hemd und Jeans. Kein Architektenschwarz. Er lacht – und dann wird er ernst. «Zwei Fragen sind meiner Meinung nach im 21. Jahrhundert elementar: jene nach der Energie und jene nach den Ressourcen.» Er ist zuversichtlich, dass die Energiewende gelingen wird, schliesslich brenne jeden Tag 10 000 Mal mehr Energie auf die Erde, als wir benötigen. Die Sonne eben. Doch die Ressourcen sind begrenzt. Man muss die vorhandenen Rohstoffe also geschickter, effizienter und sparsamer einsetzen als bisher oder eben neue züchten. «Eine entscheidende Frage als Architekt ist darum nicht nur, wie ich etwas baue, sondern auch womit», sagt Hebel. Auf einem Gestell lagert er die Materialien, die er an der Architekturbiennale in Venedig in der Reihe ‹Time – Space – Existence› zeigt: gemahlener Bauschutt, der mit gewachsenem Kalkstein zusammengehalten wird. Stühle, gepresst aus Altpapier. Beton, der sich dank eingelagerter Bakterien selbst repariert, wenn sich Risse bilden. ‹Reporting from the front›, so das Thema der diesjährigen Biennale, heisst bei Hebel: die Front von morgen. Mit Wasser bauen ...
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Seit der Expo-Wolke erforscht der Architekt Dirk Hebel, wie wir mit Wasser, Pilzen oder Bambus bauen könnten. Nun verlässt der Professor nach 14 Jahren die ETH.

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