Die Huber – Pavillons stehen leer, 2022 (Foto: Elias Knecht)

Eine Raumfrage

Auf dem Hönggerberg wird gebaut, um die wachsenden Raumbedürfnisse der ETH zu befriedigen. Die studentische Initiative ‹Das Baubüro› fragt, wie die Studierenden vom Bauen profitieren können.

Es rattert und es staubt. An der ETH Hönggerberg wird abermals gebaut. Das Lehr- und Forschungsgebäude HIF erhielt zuletzt – nebst Europas größter Forschungszentrifuge – eine neue Gebäudetechnik und eine neue Fassade. Das Gebäude dient dem Departement Bau, Umwelt und Geomatik. Die Sanierung kostete den Steuerzahler zuletzt 150 Millionen Franken. Doch die Tendenz ist steigend und das Budget der ETH Zürich wird strapaziert. Ein weiteres Bauvorhaben am Hönggerberg muss nun mit Verzögerungen rechnen.


Abbruch des HIF-Gebäudes auf dem Hönggerberg.

Das dienstälteste Gebäude am Campus Hönggerberg – 1966 durch die Kernphysik bezogen – wird durch einen Neubau ersetzt. Gebaut soll es werden, wo jetzt noch drei Pavillons des Departementes Architektur aus den späten 1980ern stehen. Die Räume wurden bereits Anfang Jahres leergeräumt und abgesperrt. Seither warten sie wehmütig auf ihre Demontage und ein Zweitleben ausserhalb der ETH. Eine Dachkante wurde erst kürzlich durch einen herabfallenden Baumschlag tangiert und ist nun sichtbar beschädigt. Die Studierende gucken unterdessen von gegenüber, aus den immer geschlossenen Fenstern des HIL, auf die verlassenen Pavillons. Derweil bewältigt das Departement Architektur bereits eine wachsende Studierendenzahl und im HIL-Gebäude wird es abermals enger.


Dachschaden nach Baumschlag (Foto: Lucas Tanner, 2022)

Als Reaktion auf die Schliessung der Pavillons ist ‹Das Baubüro›, eine Grassroot-Initiative aus dem Jahr 2018, neu entflammt. Es möchte die bauliche Mitsprache und damit die Zufriedenheit der Studierenden fördern. Ein erster Versuch, die weissen Huber Pavillons mit einer letzten Ausstellung zwischenzunutzen, war gescheitert. Schnell wurde klar, dass die drei heimeligen Schrägdächer vollends einer Vergangenheit angehören, die als Ruine nostalgisch noch dasteht. Einen kleinen und dennoch wichtigen Erfolg wurde stattdessen erzielt, als über das ETH-weite Programm ‹Hindernisfreiheit ETH› erstmals drei höhenverstellbare Tische in die Lernumgebung von Studierenden im HIL platziert wurden. Denn bisher waren diese nur zugänglich für jene ETH-Angestellte, die ein ärztliches Zeugnis mit Rückenbeschwerden vorlegen konnten.  ‹Das Baubüro› vertritt die Meinung, dass eine gesunde Körperhaltung essentiell für eine gesunde Lernumgebung ist. Die körperliche und psychische Unversehrtheit stellt ein fundamentales Recht aller Studierenden wie auch Angestellten dar, das präventiv geschützt und nicht nachträglich erkämpft werden muss.   


Stehtische am HIL (Foto: Joshua Andres)

Zwei dieser hindernisfreien Tische wurden in ein weiteres Pilotprojekt integriert. Aus Gründen der Platznot werden ab dem nächsten Semester Studierende des D-ARCH die Hälfte eines bisher vom Departement Bau, Umwelt und Geomatik genutzten Lernraumes einnehmen. ‹Das Baubüro› durfte hierfür ein neues Möblierungskonzept umsetzen, das zwischen den zwei Bereichen als Schwellenraum artikuliert wird. Die verschiedenen Studierenden vermischen sich und interdisziplinäre Begegnungen werden mit Gruppentischen und einer Kaffeemaschine gefördert. Doch nicht alle Studierenden begrüssen den Verlust der regulären Arbeitsplätz. Sie hinterfragen die Wirksamkeit und Beliebtheit eines solchen flexiblen Zwischenraumes. Wenn Lernräume allmählich zu Lebensräumen werden, muss man sich fragen, wo denn noch eine Grenze zwischen Studium und persönlichen Freizeit zu finden sei, und wie ein gesunder Ausgleich ausschaut.


Pilotprojet ‹Forum›, Vorher- Nacher (Foto: Elias Knecht)



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