Der Wettbewerbsperimeter für den neuen Kiosk auf der Stadthausnalage in Zürich Fotos: Stadt Zürich

Mücke oder Elefant?

Unverhältnismässiger Aufwand oder planungspolitische Realität? Ein Architekt kritisiert die Ausschreibung des Wettbewerbs für ein Kiosk auf der Zürcher Stadthausanlage. Das Amt für Hochbauten antwortet.

Hugo Wandeler ist 84-jähriger Architekt und Planer. Er hätte gerne am offenen Projektwettbewerb für den Neubau eines Kioskgebäudes auf der Stadthausanlage mitgemacht. Er kennt den Ort, weil er wöchentlich den Markt auf dem Zürcher Bürkliplatz besucht. Aber der Wettbewerb ist ihm viel zu aufwändig, wie er schreibt. Jeremy Hoskyn, Architekt im Amt für Hochbauten, antwortet und erklärt, wie sich die Zeiten geändert haben und wo heute bei einer so kleinen, aber prominenten Bauaufgabe die Probleme liegen. Der Wettbewerb ist zurzeit ausgeschrieben, Abgabe ist am 12. April 2022.   Hugo Wandeler schreibt: «Ein Beispiel für einen Wettbewerb mit unverhältnismässigem Aufwand liefert zurzeit die Stadt Zürich. Am Bürkliplatz befindet sich ein einfacher Kiosk, wo sich an Markttagen Leute treffen und etwas konsumieren. Für den Ersatz dieses einfachen Gebäudes, ergänzt um ein Züri-WC und eine Trafostation hat die Stadt einen Wettbewerb ausgeschrieben. Das Programm umfasst 39 Seiten, die Zielsumme beträgt 3,6 Millionen Franken! Insgesamt 21 Personen (elf im Preisgericht, und zehn Experten) werden die Arbeiten beurteilen. Das federführende Architekturbüro muss als Generalplaner neun (!) Fachplaner koordinieren. Ein irrer Aufwand. Mit Jahrgang 1937 habe ich andere Zeiten erlebt. 1959, als Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner an der ETH Architektur lehrte, hätte er aus dieser Bauaufgabe eine Tages-, vielleicht eine Wochenarbeit für Studenten gemacht. Bei einem Augenschein vor Ort wäre der Standort bestimmt worden und im Gespräch mit dem Kioskbetreiber hätten wir die Randbedingungen erfahren. Das beste Projekt hätten seine Assistenten ausführungsreif gemacht und ein Baumeister, der gerade für die Stadt arbeitete, hätte das gebaut, alles zu einem Bruchteil des Aufwandes, der heute getrieben wird. Hat niemand von den Beteiligten, auch nicht der SIA, der das Programm g...
Mücke oder Elefant?

Unverhältnismässiger Aufwand oder planungspolitische Realität? Ein Architekt kritisiert die Ausschreibung des Wettbewerbs für ein Kiosk auf der Zürcher Stadthausanlage. Das Amt für Hochbauten antwortet.

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