Kompakte Kiste in Beton und Holz: das erstrangierte Projekt von Background Architecture für das neue Lehrgebäude der Universität Lausanne.

Die neue Normalität des ökologischen Bauens

Von der ökologischen Wende erhoffte man sich nicht zuletzt neue Bilder für die Architektur. Doch an die Stelle der Experimente ist schnell ein etablierter Standard getreten.

Versteht man Architekturwettbewerbe als Vorboten künftiger Entwicklungen, dann leben, lernen und arbeiten wir in Zukunft in Häusern aus Holz. Die Geschwindigkeit, mit der sich der postfossile Baustoff in den idealisierten Wirklichkeiten des Wettbewerbs durchgesetzt hat, ist erstaunlich: Für einen ersten Rang ist Holz seit dem Klimajahr 2019 schon fast Conditio sine qua non, zumindest wenn man es mit einer ökologisch sensibilisierten Ausloberin zu tun hat. Gleichzeitig werden diverse Bauten fertiggestellt, deren Architekten sich dem Vernehmen nach inzwischen etwas grämen: Wie vorgestrig wirken doch plötzlich die mit künstlerischem Anspruch geformten Fassadenteile aus schwerem Beton, wie unzeitgemäss die in kühler Eleganz projektierten Glaswände ! Dass es dabei nicht nur um Energiewerte, sondern auch um Bilder geht, liegt nahe – auch im Zeitalter der Klimakrise ist die Architektur den Gesetzmässigkeiten der Mode ausgesetzt. Eine dieser Gesetzmässigkeiten besagt – frei nach Georg Simmel –, dass auf die Absonderung die Nachahmung folgt. Und tatsächlich scheint die Phase des Experimentierens, die auch eine Suche nach den architektonischen Ausdrucksmöglichkeiten ökologischen Bauens war, in die Phase der Normalisierung überzugehen. Es ist inzwischen weder aussergewöhnlich noch gewöhnungsbedürftig, dass Schulhäuser, Bürogebäude, Wohnbauten und Hochhäuser auf den Baustoff Holz zurückgreifen, manchmal kombiniert mit Lehm, häufiger mit dem guten alten Beton, der stets gegen die Sündenbockrolle ankämpft. Was ökologisch grundsätzlich zu begrüssen ist, geht in architektonischer Hinsicht allerdings mit einer gewissen Ernüchterung einher. Normalisierung bedeutet, dass die Mehrheit der nach ökologischen Prämissen konzipierten Gebäude weder besonders aufregend noch zwangsläufig innovativ sind. Sie entsprechen einer akzeptierten Norm, die in vielen Asp...
Die neue Normalität des ökologischen Bauens

Von der ökologischen Wende erhoffte man sich nicht zuletzt neue Bilder für die Architektur. Doch an die Stelle der Experimente ist schnell ein etablierter Standard getreten.

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