Visualisierung Hof

Die Balkonarena

Schenker Salvi Weber Architekten gewinnen den Wettbewerb für die Wohnüberbauung «Sillbrock» in Innsbruck. Andres Schenker beantwortet unsere drei Fragen.



Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Der Ersatzneubau bildet neben einem klaren Strassenraum (harte Schale) einen geschwungenen organisch anmutenden Innenhof (weicher Kern). Der Blockrand wird in zwei winkelförmige Bauteile gegliedert und bietet neue Wege im Quartier an. Analog zur bestehenden Bebauung ist das Erscheinungsbild der Strassen- und Hofseite unterschiedlich. Strassenseitig stelle eine mineralische, eher geschlossene Fassade den Bezug zur Umgebung her. Hofseitig erzeugt eine organische, warme Holzfassade eine hohe Aufenthaltsqualität und Geborgenheit.
Der Hof wird als Herz der Anlage interpretiert und seine Funktion als Erschliessungs- und Begegnungsort konsequent umgesetzt. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt ausschliesslich über den Hof. Die sechs natürlich belichteten Treppenhäuser erschliessen alle 125 Wohnungen effizient. Über die hofseitigen Abstufungen ergibt sich trotz strengem Raster und klarer Typologie eine hohe Vielfalt von ineinander verschachtelten Wohneinheiten. Die durchgehende Balkonfront bildet das Bindeglied zum Hof. Durch Verbreitern des Balkons vor den Wohnräumen entsteht ein grosszügiger Aussenbereich der immer von zwei Zimmern zugänglich ist.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Auf die nordseitige Nähe zu den Nachbargebäuden wird mit einer Verjüngung des Baukörpers reagiert. Ähnlich wird auf die Linden im Zentrum des Innenhofs eingegangen. Somit entsteht im Innern eine konkave Gebäudeflucht mit einer radialen Orientierung der Wohnungen zur Hofmitte - zu den Linden hin. Die so generierte «Balkonarena» bildet ein starkes Vis-a-vis zur südseitigen Bergkette vor Innsbruck.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Nachdem wir uns anhand städtebaulicher Modelle zu dieser aufgelockerten und abgestuften Blockrandbebauung entschlossen hatten, ging es darum, eine adäquate Grundrisstypologie zu entwickeln. Der geforderte Wohnungsschlüssel und die städtebauliche Entscheidung führten zu einer komplexen Grundrisslösung. Dabei war uns neben einer klaren Struktur in der Erschliessung und Statik eine hohe Flexibilität der Wohnungsgrössen wichtig. Insgesamt soll der Entwurf von der Gesamtform bis zu den einzelnen Wohnungen eine gute Stimmung und Wohnlichkeit im Alltag erzeugen.

Wohnbebauung Sillblock, Innsbruck

Europaweiter Realisierungswettbewerb mit 60 Teilnehmern für die Innsbrucker Immobilien GmbH.
1. Platz: Schenker Salvi Weber Architekten, Wien/Bern
2. Platz: COOPIA Architekten, Vockerodt Halilovic Riszdorfer, Regensburg
3. Platz: Architekt Helmut Meyer, Göttingen
Anerkennung: KBNK Architekten, Birwe Krause Nähring, Hamburg

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