Der neue Hauptsitz der Banco Santander, ehemals Banco Popular, liegt im Madrider Stadtteil Hortaleza. Fotos: Lluis Casals / Roland Halbe
Im Auftrag von Jansen

Geöffneter Monolith

Der neue Hauptsitz der Banco Santander in Madrid schützt und empfängt: Die Aussenfassade schirmt ab und beschattet, während die raumhoch verglasten Innenfassaden den Bau öffnen.

Der neue Hauptsitz der Banco Santander, ehemals Banco Popular, liegt im Madrider Stadtteil Hortaleza. Das siebengeschossig Gebäude steht zentral an der Calle Abelias inmitten einer halbkreisförmigen Parzelle von rund 10’600 Quadratmetern. Für das Projekt wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Der Bank wünschte ein Gebäude, das für Benutzer und Besucherinnen die Unternehmenswerte kommuniziert: Diskretion, Sachlichkeit, Stärke, Service und Flexibilität. Ebenso definierte die damalige Banco Popular drei Parameter als Grundlage: optimierte Oberflächen und Volumen, flexible Nutzung sowie das Nachhaltigkeitszertifikat Leadership in Energy and Environmental Design (LEED). Aus den ausgewählten Vorstudien entwickelten sieben Teams ihre Konzepte. Das Studio Arquitectos Ayala aus Madrid überzeugte, im Bereich Baumanagement unterstützt von «MC2 Estudio de Ingeniería». 

Durch die vergitterte Fassade wirkt der neue Hauptsitz der Banco Santander auf den ersten Blick nüchtern – doch der Monolith öffnet sich.
Beschützen und beschatten

Das gesamte Grundstück ist mit stählernen Stäben umzäunt. Ein an der Peripherie platzierter Portierbereich gewährt Einlass. Das Raumprogramm umfasst drei Untergeschosse für Garage und Infrastruktur ein. Darüber liegt ein Erdgeschoss mit öffentlichen Räumen wie dem Eingangsbereich, diversen Besprechungs- und Konferenzräumen sowie Büroflächen. Weitere Arbeitsräume finden sich mit den darüberlegenden sechs Etagen. So ist ein Kubus entstanden. der im Grundriss fast doppelt so lang ist wie tief: 95 x 56 Meter. Dem wuchtigen Baukörper liegt ein klar ablesbares Raster zugrunde, von weissen Stahlträgern und Stützen geprägt. Innerhalb dieser Konstruktion sind offene und geschlossene Einheiten erkennbar. Diese sind versetzt angeordnet, um mehr Tageslicht einzufangen und sich gegenseitig zu beschatten.

Durch die vergitterte Fassade wirkt der neue Hauptsitz der Banco Santander auf den ersten Blick nüchtern. Doch der Monolith öffnet sich: Eingangsseitig weist der Bau einen Einschnitt auf, der vom Erdgeschoss sechs Etagen in die Höhe und fast bis zur mittigen Gebäudeachse in die Tiefe reicht. Dieser Einschnitt bringt Tageslicht über mehrere Geschosse bis weit ins Gebäudeinnere. Der teils begrünte Innenhof führt die Besucher zum zentralen Eingangsbereich, der mitten im Gebäude unter freiem Himmel liegt. Auch seitlich an den vorderen Gebäudekanten wurden dem Kubus jeweils über sechs Geschosse Volumen entnommen. Dadurch erhöhen die Architekten die Fassadenoberfläche und schützen die Nutzer gleichzeitig vor direkter Sonnenbestrahlung. Die Rückseite des Baus bleibt bis auf zwei quadratische Ausschnitte, die über fünf Etagen in die Höhe reichen, verschlossen.

Der eingangsseitige Einschnitt reicht vom Erdgeschoss sechs Etagen in die Höhe und fast bis zur mittigen Gebäudeachse in die Tiefe.
 Nach Innen geöffnet

Auch im Kern öffnet sich das Gebäude: Drei grosse begrünte Lichthöfe fluten den Bau von innen heraus mit Tageslicht. Innerhalb dieses Schemas entfaltet sich eine offene Bürolandschaft mit 16’445 Quadratmetern. Die offene Gestaltung des Raums fördert Kommunikation und Interaktion der Mitarbeiter. Ermöglicht wurden die stützenfreien Flächen durch die Struktur mit grossen Spannweiten zwischen den Stahlstützen. Das Raster beträgt 13 mal 7,80 Meter und wurde mithilfe der 30 Zentimeter dicken nachgespannten Deckenplatten statisch maximal ausgereizt.

Vertikal wird der Hauptsitz über grosszügige, natürlich belichtete Treppen erschlossen. Diese hellen Begegnungszonen sollen das Treppensteigen fördern. Ungeachtet der eingesparten Energie, verbessert dies auch die Wechselbeziehung der verschiedenen Bereiche. Gehwege, Korridore und Treppen nahe der verglasten Fassade machen das emsige Treiben im Gebäude selbst wie auch von aussen sichtbar. 

Der Hauptsitz wird über grosszügige, natürlich belichtete Treppen erschlossen.
 Fassade als Sonnenschutz

Die Fassaden des Gebäudes sind raumhoch verglast. Um die Räume dennoch vor der starken Sonneneinstrahlung zu schützen, ist die Verglasung mit unterschiedlich gestaltetem Sonnenschutz versehen: Zur Aussenseite besteht die Konstruktion der Hülle aus einer Doppelhaut. Die aussenliegenden Fassaden sind mittels horizontaler Rohre vor direkter Sonneneinstrahlung abgeschirmt. Die mit Keramik ummantelten Rohre von je sechs Zentimetern Durchmesser reihen sich dort in einem horizontalen Abstand von 17 Zentimetern aneinander. Alle 260 Zentimeter werden die Rohre durch vertikale Streben gefasst. Es handelt sich dabei um Solarreflektoren, Elemente mit industriellem Charakter. Die keramische Beschichtung der Solarreflektor-Rohre fängt Licht ein und reflektiert es mit gedimmter Helligkeit. Sie sorgt so für ein kontrolliertes, indirektes Sonnenlicht, das je nach Einfallswinkel ein Farbspiel mit einem samtigen Erscheinungsbild bietet.

Die raumabschliessende Glasfassade basiert auf Jansens bewährtem VISS System.

Innerhalb des Gebäudes, zu den Innenhöfen hin, wird der Sonnenschutz auf Höhe der Deckenstirnseiten einem Vordach gleich durch vertikale Rohre gebildet. Die blendfreie Nutzung des Tageslichts und der effiziente Gebrauch von Kunstlicht regelt ein Lichtsteuersystem für Jalousien und Lichtintensität. Die Glasfassade basiert auf einem bewährten von Jansen: Die Profilsysteme VISS Basic Fassade und VISS Fire Fassade funktionieren als wirtschaftliche wie ästhetische Systemlösung, prädestiniert für trägerunabhängige Fassadenkonstruktionen. Damit konnten die Fassadenflächen mit sehr grossen Spannweiten umgesetzt werden. Für einen praktischen Unterhalt der riesigen Glasflächen umrunden Wartungsgänge jedes Geschoss.

So ist aus architektonischem Können und dem richtigen Material ein imposantes Gebäude geworden: Die Komposition des Gebäudevolumens mit Lichthöfen und Einschnitten, die ausgeklügelte Gestaltung der Fassade und die konstruktiven Massnahmen zur Beschattung maximieren das Tageslicht und minimieren gleichzeitig den Energieaufwand. Resultat: Das Gebäude erreicht den LEED-Gold-Standard.

In der Nacht leuchtet das Gebäude von Arquitectos Ayala.

Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen und Institutionen des Werkplatzes Schweiz.

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