Das dreigeschossige Wohnhaus in Wolfwil wurde fast ausschliesslich aus Holz realisiert.
In Zusammenarbeit mit: Hector Egger Holzbau AG

Entschieden für Holz

Gemeinsam mit den Holzbauern von Hector Egger Holzbau haben Zihler Architekten in Wolfwil ein dreigeschossiges Wohnhaus realisiert. Auf Wunsch der Bauherrin ist es fast ausschliesslich aus Holz gebaut.

Das Rauber-Huus in Wolfwil war einer der ersten Höfe im damals noch abseits des Dorfes gelegenen Weilers «Nessihüseren». Als in den vergangenen Jahren eine Sanierung des Hauses sowie des Nebengebäudes notwendig wurde, war zunächst die Idee, den einst stattlichen Bauernhof wieder zum Leben zu erwecken und Wohnungen darin zu planen. Die zu schlechte Bausubstanz machte dies unmöglich – stattdessen wurde ein Ersatzneubau überlegt.

Die Bauherrin hatte klare Vorstellungen: «Beton war ihr als Material zu kalt und zu grau», erläutert Bauleiter Norbert Muri. «Kompromisslos hielt sie daran fest – wenn ein Neubau, dann aus Holz». Auch die verwendeten Materialien sollten, wo immer möglich, ökologisch sein.

Gemeinsam mit den Holzbauern von Hector Egger Holzbau konnten alle Auflagen bezüglich Brandschutz und Schallschutz gelöst werden.

Eine besondere Herausforderung war dabei, den Brandschutzanforderungen gerecht zu werden. Auch Diskussionen zu Schallschutz, Statik und Wirtschaftlichkeit prägten das Projekt. «Die Massnahmen für die statischen Erfordernisse mussten sich mit der Wirtschaftlichkeit die Waage halten, damit die Mietwohnungen später wie gewünscht zu einem regional üblichen Mietzins vermietet werden konnten», erklärt Muri. Am ursprünglich geplanten Massivholzbau mussten die Architekten einige Abstriche machen, konnten dann aber gemeinsam mit dem Holzbaupartner Hector Egger Holzbau alle Auflagen bezüglich Brandschutz und Schallschutz lösen.

Bis zu drei Meter tiefe Terrassen ziehen sich rund um das Gebäude.

Was am Gebäude besonders auffällt, sind die allseitig auskragenden Terrassen, die sich ohne Stützen bis zu einer Tiefe von drei Metern um das Gebäude ziehen. Während die schmaleren Balkonbereiche direkt an die Decken angebunden sind, wurde das Tragsystem für die weiten Auskragungen in der Konstruktion versteckt. Die Brettsperrholzelemente, die für die normalen Decken auf 180mm Höhe geplant wurden, sind für die weit auskragenden Balkone auf 280mm verstärkt. Innen liegende Eisenträger übernehmen unsichtbar die Lasten. «So mussten wir die Auskragung an den Gebäudeecken nicht nur mit den Holzelementen aufnehmen, sondern konnten dafür zusätzlich die Eisenträger nutzen», erklärt Roman Niederberger von der Holzbaufirma Hector Egger Holzbau. Sobald die Holzelemente an den Eisenträgern montiert waren, wurde die Deckenuntersicht verkleidet. «Heute sieht man keine Spuren der Verbindungsmittel, vielmehr unterscheiden sich diese Stellen gar nicht von den schmaleren Deckenüberständen.»

Treppenhaus und Lift erschliessen das Wohnhaus.

Eine zweite Besonderheit ist der Liftkern im dreigeschossigen Gebäude, der komplett aus Holz gefertigt ist. Davon gibt es nicht viele in der Schweiz: Der Bau ist anspruchsvoll, denn für die Brandsicherheit müssen alle Elemente komplett mit Gipsfaserplatten ummantelt werden. Dennoch bietet der hölzerne Liftkern grosse Vorteile: «Die Bautoleranzen, die uns die Baumeister angeben, können wir im Holzbau nahezu nicht aufnehmen. Die Abweichungen sind zu hoch», so Niederberger. «Mit Holzelementen im Liftkern haben wir alles selbst im Griff und müssen nicht mehr an den Betonkern anschliessen.»

Um in den oberen Geschossen die Leitungen durch die Decken führen zu können, ohne Isolation oder Trittschall zu beschädigen, setzten die Planer eine gebundene Schüttung zum Ausgleich ein. Mit ihrer hohen Festigkeit eignet sich diese wasserunempfindliche Schüttung besonders für den Einsatz auf Holzbalkendecken. «Für uns ein Quantensprung im Holzbau, alle Leitungen können verdeckt werden und der Boden ist innerhalb von zwei Tagen begeh- und belegbar für die Trittschalldämmung», so Niederberger.

Für die Bauherrin hat es sich ausgezahlt, einen Holz-Neubau planen zu lassen: Verglichen mit anderen Konstruktionsweisen werden die künftigen Mieterinnen und Mieter in Wohnungen mit sehr angenehmem und allergikerfreundlichem Raumklima wohnen. «Alle Materialien, die wir in der Schweiz beziehen können, kommen auch von hier », sagt Roman Niederberger. «Der Rest kommt aus Deutschland und Österreich. Wir achten bei unserem Einkauf darauf, dass wir kein Holz beschaffen, das weiter als unsere Nachbarländer weg ist.» Laut Norbert Muri zeige das Projekt, dass mit einem nachhaltigen und zum Teil heimischen Werkstoff ein «gesundes» Wohnen mit einer guten Ökobilanz möglich ist.

Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen des Werkplatzes Schweiz.

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