Auch im Gang kommt die frische Luft aus den Türen. Fotos: Merlin Photography Ltd.
Im Auftrag von Röthlisberger

Aktiver Innenausbau

Klimatechnologie gehört kaum zum Leistungsspektrum einer klassischen Schreinerei. Bei Röthlisberger wird sie zum dritten Standbein. Und schlanke Klima- und Lüftungsgeräte werden Teil der Architektur.

Aus der 1928 gegründeten Schreinerei Röthlisberger ist ein technologisch fortschrittlicher Gesamtanbieter im Innenausbau geworden. Seit 1977 produziert und vertreibt die Röthlisberger Kollektion erfolgreich Designmöbel. Nun kommt ein neues, zeitgemässes Standbein hinzu: Klimatechnik. Und das kam so: Vor vier Jahren suchte Beat Kegel einen verlässlichen Partner, um seine Produktideen weiterzuentwickeln. Der erfahrene Zürcher Klimaingenieur wurde jüngst vom Bundesamt für Energie mit dem ‹Watt d’Or›-Preis ausgezeichnet: für die radikal einfache Sanierung eines St. Galler Bürohauses aus den 1960er-Jahren. Ein paar Apparate, vom Ingenieur erfunden und von Röthlisberger produziert, ersetzten dort die Ölheizung und die elektrische Kühlung. Der Energieverbrauch jenes Hauses reduzierte sich dadurch um satte neunzig Prozent.


Bürogebäude der AHV-Ausgleichskasse Schwyz mit dem Lüftungssystem ‹Air› und den in den furnierten Türen verborgenen Ventilatoren.

In der Mensa liegt die Ventilation in den Brüstungen unter den Fenstern.

Mark Röthlisberger führt das Unternehmen in Gümligen bei Bern zusammen mit seinen beiden Brüdern in vierter Generation. «Nachhaltigkeit ist uns wichtig, auch am eigenen Werkplatz.» Verarbeitet wird ausschliesslich Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, und der Betrieb verfügt über eine hochmoderne Energiezentrale. Der Strombedarf für die Produktion und die Büros wird von der eigenen Photovoltaikanlage abgedeckt. Da kam der Anruf von Beat Kegel wie gerufen. «Von HLKS-Planung hatten wir keine Ahnung. Aber wir scheuen uns nicht vor innovativen Ideen und Dingen. Und die müssen nicht immer aus Holz sein», so Röthlisberger.

Dass Holz beim neuen System aber durchaus eine Rolle spielen kann, zeigt ein aktuelles Projekt. Das spätpostmoderne Gebäude der AHV-Ausgleichskasse Schwyz erhielt eine innere Auffrischung, energetisch und visuell. In den neuen Innenausbau integriert muss man die Klimageräte regelrecht suchen. In der Halle der Caféteria finden sie sich zum Beispiel in den mit heller Esche furnierten Brüstungen zwischen den Betonpfeilern der Tragkonstruktion, oder sie stehen in weiss lackierten Sockeln vor einem wandfüllenden Fenster. In diesen Ausbauten kühlen oder wärmen Gebläsekonvektoren des Systems ‹Wall› die Luft, die zentral an einem Ort ins Gebäude geholt wird. Das Lüftungssystem ‹Air› hilft beim Transport dieser Luft von Raum zu Raum: In den furnierten Türen verborgene Ventilatoren verteilen sie dorthin, wo sie gebraucht wird. Es gibt keine Hightech-Sensoren und keine aufwendigen Leitungen. Lüftungskanäle sind die Räume selbst. Es ist eine sanfte, eine schlanke Technik. Und durch die massgeschneiderten Holzeinbauten wird sie Teil der Architektur.


Vor den Fenstern sind die Gebläsekonvektoren des Systems ‹Wall› als Möbel verbaut.

Vor den Fenstern sind die Gebläsekonvektoren des Systems ‹Wall› als Möbel verbaut.

Für Heizungs-, Kühlungs- und Lüftungstechniker klingt das zuerst unglaubwürdig. Sie bauen ihre Technik in der Regel nach Normen ein, aufwendig und oft überdimensioniert. Anders die Handwerker aus Gümligen. Sie bauten zuerst verschiedene Prototypen. Sie massen Luftmenge, Temperatur, Akustik. Und waren begeistert. «Das funktionierte und war nicht nur warme Luft», sagt Mark Röthlisberger lachend. Auf die Prototypen folgten erste kleinere Aufträge, dann grössere, wie die Sanierung in St. Gallen. Momentan werden die Klimasysteme in einem Schulneubau in Bern und in zwei weiteren in Zürich verbaut. Die Bürosanierung in Schwyz ist gerade fertig gestellt. Die Sensibilisierung für Klimafragen wächst. Und so wächst auch das Interesse an nachhaltigen und günstigen Alternativen zu den gebräuchlichen Systemen.

Der zusätzliche Vorteil von ‹Wall› und ‹Air›: Weil sie Teil des Innenausbaus sind, können sie von der Architektin frei gestaltet werden, in der Wand oder der Tür, als Schrank oder Brüstung. Damit sind sie herkömmlichen Systemen mit Radiatoren überlegen – nicht nur wegen der geringen Vorlauftemperatur, die nur wenige Grad über oder unter der gewünschten Raumtemperatur liegt, sondern auch durch gestalterische Flexibilität. Und soll das Klimagerät freistehen, gibt es die holzverkleidete Stele ‹Tower› oder das Element ‹Free›, eine Art stehende Schreibtischrückwand, um bestehende Büros ohne grossen Umbau anzupassen.

close

Kommentare

Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen