Ein Icon sagt mehr als tausend Worte: Beim Spiel «Icon Poet» würfelt man sich seine Geschichte mit Symbolen zusammen.

Poesie würfeln

Das Spiel «Icon Poet» regt die grauen Hirnzellen zu buntem Sprachwitz an. Aus 192 Icons würfelt man sich seine Geschichte zusammen. Wer in drei Minuten die beste Story schmiedet, gewinnt.

«Icon Poet» ist quasi die Umkehrung von Montagsmalen. Statt ein Bild zu erraten, müssen die Mitspieler aus Icons einen Text bauen. Mit dem Spiel, das als Buch verkleidet ist, kommen 36 Würfel mit 192 Icons. Die Spielpoeten spitzen den Bleistift, schnappen sich ein Blatt Papier und würfeln drauflos. Sind die Würfel gefallen, ist Sprachwitz unter Zeitdruck gefragt. Es bleiben 180 Sekunden, um die Symbole zu einer Geschichte zu verstricken. Das geht dann etwa so: Aus Lippenstift, Donnerwolke, Känguru, Musiknote und Schaukelpferd wird folgender letzter Wille: «All mein Geld soll zur Verschönerung von wetterbeschädigten australischen Musik-Karussells verwendet werden, auf denen ich die glücklichsten Stunden meines Lebens verschaukle.» Wer die packendste Story schreibt, wird zum Icon Poet des Tages gekürt.

Ganz freien Lauf kann man seiner Fantasie allerdings nicht lassen. Die Poeten wählen aus vierzehn Spielszenarien aus, vom Heiratsantrag über die Mordnacht bis zum Testament. Der Ortswürfel bestimmt, wo die Handlung spielt. Der Genrewürfel zeigt an, ob es ein Krimi oder eine Lovestory ist. Und der Fortunawürfel entscheidet, ob die Geschichte in Tränen oder im Freudentaumel endet. Die Idee überzeugt. Die Spieler experimentieren mit Sprache, heben ihren Wortschatz und ölen das eingerostete Schreibhirn. Das Buch als Hülle fürs Spiel ist aber nicht gelungen. Die Würfelsammlung schneidet ein Loch in das hundert Seiten dicke Buch. So bleibt kein Platz, um die besten Geschichten schriftlich festzuhalten. Die Spieler müssen ihre Texte stets von neuem erwürfeln.

Wer den Profis beim Sprachduell zusehen will, kann dies im Cabaret Voltaire in Zürich tun. Dort kreuzen einmal im Monat vier Autoren die Bleistiftspitze.

«Icon Poet: Alle Geschichten dieser Welt», Gebrüder Frei, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, 2011. Text: Hans-Rudolf Matscher; Icongestaltung: Agentur Rostfrei; Buchgestaltung: Jenna Gesse.

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Kommentare

Philipp Zaugg 06.02.2012 12:27
"...heben ihren Wortschatz und ölen das eingerostete(n) Schreibhirn." "...kann dies im Cabaret Voltair(e!) in Zürich..." Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Leute dieses Spiel kaufen und auch spielen! Ist nicht böse gemeint, aber in diesem expliziten Zusammenhang durchaus mal eine Erwähnung wert!
Andres Herzog 06.02.2012 12:59
Besten Dank für Ihren Hinweis. Die beiden Schreibfehler sind korrigiert. Da war der Zeitdruck wohl zu hoch...
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Ich kann das Bild nicht lesen