Klimaspurer entwerfen im Flughafen Zürich den terranen Lebensstil.

Postkarte Nr.18 Das terrane Flughafenseminar

Ein Flughafen denkt an alles – abertausende Menschen täglich fahren zu oder fort von ihm, fliegen ab, landen und kaufen ein. Eine Gruppe aber geht völlig vergessen – die Wanderer auf Flughafenbesuch.

Der Flughafen Zürich ist das Hochamt der fossilen Mobilität. Nur Verrückte gehen zu Fuss zu ihm. Und so hört Wanderins Weg einen Kilometer vor dem Terminal auf. Klimaspurer balancieren über Tramtrassen und rennen über mehrspurige Schnellstrassen, denn sie wollen ja im Herz des Flughafens ein Seminar halten über die Klimafolgen der Fliegerei. Doch statt des üblichen Flug-, Piloten- und Fliegerprügelns mit erdrückenden Fakten, stellen uns Marco, Stefan und Simon von Terran ihre Subversion vor. Mit Phantasie, Wissen und Heiterkeit wollen sie den Rekorde fliegenden Schweizern die Flugreise verleiden. Sie listen terrane Waren auf, schreiben terrane Rezepte, in deren Zutaten kein Flugkilometer steckt. Sie glauben an einen breiten Wandel des Bewusstseins, so wie aus den noch vor wenigen Jahren ausgelachten Veganern ein Lebensstil geworden ist. Und so wie die Vegetarier der Schreck des Metzgers, wollen sie der Albtraum der Piloten werden.

Die Klimaspurer, ermattet von einer acht stündigen Wanderung durch frühsommerliche Hitze von Uster zum Flughafen Kloten, sassen im Seminar, den terranen Lebensstil zu entwerfen. Gestärkt von einem kühlen Bier debattierten wir über den Ausbau terraner Infrastruktur, bezahlt mit Abgaben der Fliegenden; stellten fest, dass über die Hälfte der Flugziele komfortabel terran erreicht werden können; nahmen die Firmen in Pflicht, damit sie virtuelle und terrane Geschäftsreisen befehlen – Bruxelles, London, München, Frankfurt, Mailand nur noch mit dem Zug. Nichtfliegen als Lust und nicht als Klimapflicht. Und am Schluss dennoch ein paar Zahlen. Der Schaden: Nach München, London oder Paris fliegen, ist achtzig Mal klimaschädlicher als mit dem Zug dorthin fahren. Die Klimagerechtigkeit: Ein Prozent der Bevölkerung verursacht 50 Prozent der CO2-Emissionen der Fliegerei. Das Mass: Fasst man die Systemgrenzen angemessen, so trägt das Fliegen einen Drittel der CO2-Last – und wir liessen all das am 13. Juni ungeschoren. 

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