Forschungs- und Wohnmobil im Selbstausbau an der HGK Basel.

Eine Zukunft des Weniger

Die Designethnografin Merle Ibach schreibt hier darüber, wie sie drei Monate lang in einem Van lebte, um im ruralen Deutschland parzitipative Projektgemeinschaften zu erforschen.

«Jurassic Park von Nieklitz erwacht zu neuem Leben», titelt eine norddeutsche Lokalzeitung, als im Sommer 2016 ein etwa zehn Hektar grosses Grundstück neue Pächter und Pächterinnen findet (1). Auf dem Gelände stehen mehrere Pavillons, sie sind grösstenteils verfallen. Überlebensgrosse Modelle von Wimperntierchen, Termitenhügeln, Blütenkelchen oder das Diagramm zur Evolution des Menschen ragen vier Meter in die Höhe. Es sind Relikte des ‹Zukunftszentrum Mensch Natur Technik Wissenschaft› (ZMTW), einem Lehr- und Forschungszentrum für Bionik und zukünftige Lebensweisen. ###Media_2### Nach der Wiedervereinigung wurden sie hier mit viel Fördergeldern wieder aufgebaut (2). Ab 2013, nach der Insolvenz des Zentrums, verfielen die Gebäude, Vandalismus und Natur übernahmen das Gelände. Drei Jahre später erwachte der kuriose Unort wieder zu neuem Leben, als die Genossenschaft WBZ, kurz für ‹Wir Bauen Zukunft›, das Gelände in seinem desolaten Zustand pachtete und mit einer neuen Vision belebte. Auf den zehn Hektaren Land wollte sie nachhaltige und gemeinwohlorientierte Wohn- und Lebensformen erproben. ###Media_3### An der Idee eines Zukunftslabors, wie es bereits in der Nutzung des Geländes durch das ZMTW angedacht war, hielten die neuen Pächter und Pächterinnen fest. Doch während das Zukunftszentrum eine Art Freiluftmuseum errichtete, um die Besuchenden für einen bewussten Umgang mit der Umwelt zu erziehen, wählte WBZ einen partizipativen Ansatz. Damit wollte die Genossenschaft für das Wissen um die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur sensibilisieren. Von nun an standen nachhaltiges Bauen, Kreislaufökonomie, regenerative Energieversorgung und Open Source auf dem Plan, um eine enkeltaugliche Zukunft mitzugestalten. Ein solcher teilhabe-orientierter Ansatz für urbanes Experimentieren im ländlichen Raum ist kein Einzelfall. Seit Beginn der 2010er-Jahre wu...
Eine Zukunft des Weniger

Die Designethnografin Merle Ibach schreibt hier darüber, wie sie drei Monate lang in einem Van lebte, um im ruralen Deutschland parzitipative Projektgemeinschaften zu erforschen.

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