The Heart of the City. Die Stadt in den transatlantischen Debatten der CIAM 1933-1951.

Die funktionsgetrennte Stadt - ein Missverständnis?

Allgemein wird angenommen, der vierte Congrès International d’Architecture Moderne (CIAM) habe 1933 einstimmig für die Umgestaltung der Städte plädiert: funktional getrennt nach Wohnen, Arbeiten, Verkehr und Erholen. Dabei war alles ein Missverständnis!

Allgemein wird angenommen, der vierte Congrès International d’Architecture Moderne (CIAM) habe 1933 einstimmig für die Umgestaltung der Städte plädiert: funktional getrennt nach Wohnen, Arbeiten, Verkehr und Erholen. Die von Le Corbusier verfasste «Charta von Athen» war — im Positiven wie im Negativen — für Jahrzehnte wichtiger Bezugspunkt für den Städtebau. Kritiker werfen dem CIAM vor, damit die autogerechten, unwirtlichen citys und die leblosen Schlafstädte der Nachkriegszeit propagiert zu haben. Dabei war alles ein Missverständnis! Konstanze Domhardt zeigt auf: Corbusier hat in der Charta in erster Linie seine eigenen Vorstellungen formuliert. Auf dem Kongress hingegen sei eigentlich das In-Beziehungsetzen der Funktionen gefordert worden. In «The Heart of the city», der Buchversion von Domhardts ETH-Dissertation, wird auch mit anderen Mythen aufgeräumt: Zahlreiche Pläne und Fotos illustrieren, dass auf den CIAM-Kongressen der Nachkriegszeit über die Gestaltung von Stadtzentren nachgedacht wurde — als soziale Aktionsräume und als Identitätsstifter. Man staunt: Der Markusplatz in Venedig als Vorbild für das Zentrum der aufgelockerten und gegliederten Stadt. Wäre das früher bekannt geworden, wäre uns die urbane Krise der Nachkriegszeit erspart geblieben?

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