Stadtlandschaften Entwerfen?

Der politische Architekt

Stefan Kurath berichtet über Schauplätze in der Agglomeration, von deren Planung und Realisierung in der «Zwischenstadt» und beurteilt sie mit soziologischem Besteck.

Stefan Kurath ist Architekt in Thusis und Zürich. Er entwirft nicht nur Häuser, er hat auch eine der ersten Doktorarbeiten am Institut für Architektur und Raumentwicklung der noch jungen Universität Liechtenstein geschrieben, bei Michael Koch und Angelus Eisinger in Hamburg abgeliefert und daraus ein Buch gemacht. Ein Ziegel von 568 Seiten. Sein Hauptteil sind vier Reportagen über Schauplätze in der Agglomeration: Freienbach und das Seedamm-Zentrum; Schaan, wo aus dem «Forst» Häuser wurden; Domat / Ems, wo Wiesen in eine Einfamilienhaussiedlung, einen Golfplatz und eine Grosssägerei verwandelt sind, und von Haag bis Trübbach, wo die A13 durchfährt. Detailreich berichtet Kurath von der Planung und Realisierung dieser Orte in der «Zwischenstadt» und beurteilt sie mit soziologischem Besteck. Die Berichte sind hoch informative Heimatkunde und vergnüglich zu lesen, auch wenn man da und dort über die etwas mühsame, zur Doktorarbeit gehörende, strenge Begrifflichkeit bergsteigen muss. Herzhaft entfaltet Kurath daraus seine Kritik an Planern und Architektinnen. Statt politisch zu denken und sich geschickt in den Netzwerken zu bewegen, zögen sie sich auf die Rollen von designernden Autisten oder auf die von Dienstboten für Grundeigentümer oder Gemeindepräsidentinnen zurück. Der Doktor kritisiert aber nicht nur, sondern prüft mit einer Testplanung seine Postulate. Man soll sich übrigens von den 568 Seiten nicht abschrecken lassen, die vier Reportagen oder die ausgiebige Testplanung zur Rheintalstadt lassen sich bestens und mit erheblichem Gewinn auch stückweise lesen.

Stefan Kurath: Stadtlandschaften Entwerfen? Grenzen und Chancen der Planung im Spiegel 
der städtebaulichen Praxis. Transcript -Verlag, Bielefeld 2011, CHF 56.90

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