Von Diamand bis Schweineborsten: Schleifpads der Firma Hägni.
In Zusammenarbeit mit der Hägni AG

Wenn Stein altert

Steinbeläge können auch bei starker Abnutzung gut wiederhergestellt werden. Das verdeutlichte Guido Walliser von der auf Steinveredelung spezialisierten Hägni AG in der Schweizer Baumuster-Centrale Zürich.

Für einmal ging es beim Brownbag-Lunch in der Baumuster-Centrale schon vor dem angekündigten Zeitfenster los. Während auf den Stuhlreihen die ersten Sandwiches ausgepackt wurden, führte vorne ein Mann in Arbeitskleidung ein Schleifgerät in einem abgesteckten Rechteck über den hellen Marmorboden hin und her. Unter dem rotierenden Schleifpad wuchs ein weisser Schlamm allmählich an. Dass es sich nur um Wasser und Marmorabrieb handelte, erfuhr das Publikum später in einem technischen Input rund um Steinbeläge und die Frage: Ersetzen oder renovieren? Und wenn ja, wie?

Für einmal Action: Schleifdemonstration in der SBCZ.

Zum Einstieg stand jedoch erst die Wahl des Steins im Zentrum. Welche Erwartungen hat die Bauherrschaft überhaupt an einen Steinbelag? Das sollten die Planenden laut Tobias Eckardt, Geschäftsführer der Eckardt Natursteine AG, genau abklären. So könne man säureempfindlichen Marmor und Kalksteine durchaus in der Küche oder im Bad einsetzen, wo Säuren allgegenwärtig sind – falls die Nutzer sich nicht an Veränderungen der Oberfläche störten. Auch Abplatzungen und Abbrüche fänden nicht alle schlimm. «Es gibt Leute, denen das bei Natursteinen gerade gefällt», sagte Eckardt.

Guido Walliser ist bei Hägni für die Spezialreinigung und Veredelung von Steinbelägen zuständig.

Beim Punkt, wo die Veränderungen nicht mehr gefallen, setzte Guido Walliser ein, der bei der Hägni AG für die Spezialreinigung und Veredelung von Steinbelägen zuständig ist. Der gelernte Steinmetz und Steinbildhauer startete mit einem Klischee: dem ‹Kärchern›. «Ich weiss, dass das jedem Mann Freude macht, weil man das Resultat sofort sieht. Doch tun sie es nicht!», warnte Walliser. Denn mit einem Hochdruckgerät könne man Steinoberflächen und Fugen leicht beschädigen. Unter anderem machte der Spezialist anhand eines stark abgenutzten Marmorbodens in der Lobby des Hotel Baur au Lac deutlich, dass es für fast jede Beschmutzung und Beschädigung von Steinbelägen eine gute Alternative zum Ersetzen gibt. So könne man Steinbeläge heute sehr kostensparend schleifen. Dank neuen Diamant-Schleif-Pads müsse man selbst Stellen mit tiefen Kratzern häufig nicht bis auf den gesunden Stein herunterschleifen. Vielmehr kann man den Stein so überschleifen, dass die Kratzer zwar noch vorhanden, aber nicht mehr sichtbar sind.

Bei Rissen und Abplatzungen an Küchenablagen oder Treppenstufen könne man meistens sehr gut mit Steinstaub und Epoxyharz aufbauen und nachschleifen, erklärte Walliser. Ein Beispiel einer gelungenen Renovation durch sein Team: der Onyx-Tresen der gleichnamigen Bar im Zürcher Hotel Park Hyatt. «Suchen Sie ruhig die Flicken!»

Tobias Eckardt, Geschäftsführer der Eckardt Natursteine, in seinem Metier.

Das Versiegeln von Steinbelägen bezeichnete Walliser jedoch als wenig sinnvoll: «Bei Natursteinen empfehlen wir das nicht, da sich die Oberfläche verändern und die meisten Versiegelungen auch nicht UV-beständig sind.  Imprägnieren dagegen sei diesbezüglich unbedenklich. Kalksteine, Marmor und säureempfindliche Kunststeine werden dadurch zwar gegen Flüssigkeiten geschützt, aber nicht säurebeständig.

Wie ein imprägnierter Steinbelag auf einen nassen Schwamm reagiert, konnten die Anwesenden im Anschluss testen. Zudem konnten sie die Schleifpads der Hägni AG mit Diamanten oder Schweineborsten ansehen und erfuhren beim Showschleifen, dass der mechanische Prozess wirklich nur Wasser benötig und dadurch sehr nachhaltig ist.

Der Brownbag-Lunch ist eine Veranstaltung der Schweizer Baumuster-Centrale Zürich.

Kommentare

Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen