Innenleben eines eigenartigen Bauwerks: Perspektive für den Gasthof Wallberg in Volketswil von Manuel Pauli.

Wiederentdeckt: der Raum

Die Ausstellung ‹Sprengkraft Raum› in Winterthur verhilft der vernachlässigten Schweizer Architektur um 1970 und dem Format der klassischen Architekturausstellung zu neuen Ehren.

Im Vergleich zu den Ausstellungen, wie sie die besser betuchten Institutionen der Schweizer Architekturlandschaft ausrichten, macht ‹Sprengkraft Raum: Architektur um 1970›​​​​​​​ einen bescheidenen Eindruck. Betritt man die Halle 180 auf dem Sulzerareal, stolpert man unversehens in die ersten Exponate, die man auf die Schnelle auch für Entwurfsarbeiten von Studierenden halten könnte. Das liegt zum einen daran, dass Bilder und Texte auf kommunen Plots präsentiert werden, die wiederum auf kommune Stellwänden gepinnt sind, zum anderen an den Modellen in einfachem Graukarton, die tatsächlich in studentischer Arbeit gefertigt wurden. Etwas hochwertigere Schaukästen gibt es für die Archivalien, die an verschiedensten Orten zusammengetragen wurden. Von einem exklusiven Ausstellungsdesign kann man hier also nicht sprechen. Trotzdem entfaltet die Ausstellung, wenn man so will, einiges an Sprengkraft. Das ist insofern erstaunlich, als Inhalt und Form seltsam unzeitgemäss wirken. Was sollen die zwölf ausgewählten Bauten von Pierre Zoelly, Rudolf & Esther Guyer, Manuel Pauli und Fritz Schwarz, entstanden vor einem halben Jahrhundert, uns Heutigen erzählen? Und warum überhaupt eine Ausstellung und eine Publikation «nur» über Architektur, ohne offensichtliche Bezugnahme auf die Krisen, die Diskurse und die Sensibilitäten der Jetzt-Zeit?  Die Ausstellungsmacher Martin Tschanz und Andri Gerber, die beide auch an der ZHAW unterrichten, argumentieren erst einmal architekturgeschichtlich, handelt es sich bei den Protagonisten doch um eine historiografisch vernachlässigte Generation, die irgendwo zwischen Moderne und Postmoderne durch die Maschen gefallen ist und die es nur schon der Vollständigkeit halber wiederzuentdecken lohnt. Im engeren Kontext der Schweizer Architekturgeschichte entbehrt die Vernachlässigung d...
Wiederentdeckt: der Raum

Die Ausstellung ‹Sprengkraft Raum› in Winterthur verhilft der vernachlässigten Schweizer Architektur um 1970 und dem Format der klassischen Architekturausstellung zu neuen Ehren.

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