Hubers Bildschirmreisen – #10: Superlativ aus Beton, Glas und Alu

Le Lignon ist eine der eindrücklichsten Cités satellites der Schweiz. Ein Blick hinter die Kulissen und der Ausblick von den Häusern eröffnen spannende Perspektiven. Seit 2009 steht das Ensemble unter Schutz.

Fotos: Werner Huber (Januar/Februar 2011)

Le Lignon ist eine der eindrücklichsten Cités satellites der Schweiz. Ein Blick hinter die Kulissen und der Ausblick von den Häusern eröffnen spannende Perspektiven. Seit 2009 steht das Ensemble unter Schutz.

Als Redaktor von Hochparterre hat man das Privileg an Orte zu kommen, die der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Das können Baustellen oder soeben fertiggestellte Neubauten sein, es können aber auch sehenswerte ältere Gebäude sein. Ein Höhepunkt in meiner bald zwanzigjährigen Karriere war ein Rundgang durch die Cité satellite von Le Lignon in Vernier bei Genf. Anlass war ein Themenheft für Pensimo, die etliche der 84 Einzelhäuser besitzt. Auf dem damaligen Beitrag basiert dieser Text. ###Media_2### Le Lignon ist eine Siedlung der Superlative: 2780 Wohnungen sind auf 84 Einzelhäuser verteilt, die wiederum zu einem 1060 Meter langen geknickten, 12- bis 15-geschossigen Wohnband und zwei Turmhäusern von 26 und 32 Stockwerken zusammengefasst sind. Ausserdem gibt es vier Tiefgaragen mit 2400 Plätzen, zwei Kirchen, Alterswohnungen, mehrere Kindergärten, ein Schulhaus und ein Einkaufszentrum mit Migros, Coop, weiteren Läden, Post und Polizei. Auslöserin für den Bau der Cité war die «crise du logement» der 1950er- und 1960er-Jahre. Zu Tausenden strömten die Menschen in die schnell wachsende Stadt, alle auf der Suche nach Wohnraum. Der Kanton sah die Lösung der Wohnungsnot im Bau der «grands ensembles» wie Onex und Les Avanchets oder von «cités satellites» wie Meyrin oder eben Le Lignon. «Satellitenstadt» war damals ein positiver, in die Zukunft weisender Begriff! ###Media_3### Ein Architektenteam um Georges Addor und Dominique Juillard plante die Siedlung auf dem ehemaligen Landwirtschaftsgut Grebattes zwischen dem Bächlein Nant und der Rhone. «Hinsichtlich der Bauausführung und -disposition wären verschiedene Lösungen möglich gewesen, die jedoch alle, weil zu orthodox oder zu uniform, verworfen wurden. Man strebte vielmehr einen Idealzustand an», schrieb das Schweizer Baublatt 1965. Mit der Konzentration der Wohnungen auf wenige, dafür umso höhere und l...

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