Einmaliges Ensemble historischer Lagerhaustypen beim Bahnhof Altdorf Fotos: © Architekturforum Uri

Stolze, bedrohte Hallen

Das Architekturforum Uri kämpft für den Erhalt dreier Flachlagerhallen in Altdorf. Wer nicht weiss, was das ist, kann die Hallen dieses und kommendes Wochenende besichtigen – sie sind eine Entdeckung.

Wer nicht wusste, was Flachlagerhallen sind: In Altdorf gibt es drei prachtvolle Exemplare zu besichtigen und einiges darüber zu lernen. Die drei in Holz erbauten Hallen stehen schnurgerade hintereinander an der Bahnlinie. Ein viergeschossiger Mittelbau teilt sie in Längshälften. In Querrichtung sind sie durch Oberlichtaufbauten und Stützenbauten in unterschiedliche Raumbahnen gestaffelt, ähnlich den Mittel- und Seitenschiffen von Kirchen. Es sind seltene, charaktervolle Räume voller Atmosphäre und räumlicher Möglichkeiten. Erstellt wurden sie 1939 nach Plänen des Ingenieurs Jakob Wyrsch. Während des Zweiten Weltkriegs und noch lange danach dienten sie zur Lagerung von Getreide. Bemerkenswert ist, dass sie Teil eines Ensembles imposanter Lagerhaustypen sind: Gleich daneben stehen das Sacklager von Robert Maillard mit Pilzstützendecken und das Silo des Ingenieuren Züblin. «Die drei Flachlagerhallen sind in ihrer Art und Grösse einmalig und zählen zu den letzten erhaltenen Bautypen ihrer Art; sie belegen eine eigenständige schweizerische Tradition von Ingenieurbauten», schreibt der bekannte Churer Bauingenieur Jürg Conzett.

Doch nun sind die hölzernen Hallen bedroht: Der Kanton Uri will im Eyschachen, nahe des Bahnhofs Altdorf, das bestehende Gewerbe- und Industriequartier ausbauen im Rahmen eines kantonalen Entwicklungsschwerpunkts. Während Maillards Sacklager und Züblins Silo unter Denkmalschutz stehen, dürfen die Flachlagerhallen abgebrochen werden.

Dagegen wehrt sich nun das Architekturforum Uri gleich mit mehreren Massnahmen. Es hat eine Arbeitsgruppe gebildet, der auch die Architektin Marianne Burkhalter angehört. Als Professorin an der Accademia di Architettura in Mendrisio untersuchte sie mit Studierenden, wie die Hallen erneuert und heute wieder genutzt werden könnten. Dasselbe lotete der Architekt und FHNW-Professor Bruno Trinkler mit seinen Studierenden aus. Diese Projekte sind seit dem 15. April in den Hallen ausgestellt; Projekte und Hallen kann man noch dieses und nächstes Wochenende besichtigen (23./24.4., 30.4./1.5.).

An der Vernissage vom letzten Freitag, 15. April, diskutierte auf Einladung des Architekturforums ein prominent besetztes Podium – unter anderen mit den Urner Regierungsrätinnen Heidi Z’graggen und Urban Camenzind sowie SIA-Präsident Stefan Cadosch und Ingenieur Jürg Conzett –, über den Erhalt der Hallen und die Rolle des Kantons dabei. Denn gemäss des Quartiergestaltungsplans könnten die Hallen auch stehen bleiben – die Hintertür für den Erhalt steht also offen. Der Abend erhielt mit 100 Gästen viel lokale Aufmerksamkeit – auch dies natürlich ein Ziel des Architekturforums. Schliesslich gibt es eine Website mit Informationen. Sie beginnt mit dem «Manifest vom Eyschachen» des Architekturforums: «Wir fordern, dass die hölzernen Flachlagerhallen mit ihren unbestrittenen Qualitäten nebst den Bauten von Maillart und Züblin zu erhalten sind, damit sie Identität im neuen Gewerbe- und Dienstleistungsquartier stiften können. Sie sollen nicht konserviert werden, sondern ertüchtigt und weiterentwickelt, d.h. für die nächste Generation gebrauchsfähig gemacht werden. Dabei sind auch Überformungen und Erweiterungen denkbar, sofern die charakteristischen strukturellen Merkmale der Hallen erhalten bleiben. Dass ein Umgehen und Weiterbauen mit dieser Bestandessubstanz möglich ist, konnte mit den Studentenprojekten der Architekturhochschulen von Mendrisio und Muttenz aufgezeigt werden. Also packen wir diese Chance und setzen uns ein fur den Erhalt der Flachlagerhallen! Im Eyschachen kann ein neues Quartier in Kombination von Bestandesbauten und Neubauten entstehen. Es soll lebenswerter Raum für neue Arbeitsplätze gebildet werden.»

Ausstellung: 16./17.04., 23./24.04. und 30.04./01.05.2016, jeweils 14.00 h - 17.00 h
Kontakt: architekturforumuri@gmail.com

close

Kommentare

Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen