Volle Hallen: Der Anlass des Forum Architektur Winterthur zog über 100 Fachleute an. Fotos: Christopher T. Hunziker und Gigon/Guyer

Raketenzündung auf Sulzerareal Werk 1

Auf dem Sulzerareal geht nun nach Jahren des Dornröschenschlafs die Post ab. Implenia veröffentlicht die Testplanung und dem daraus resultierenden Leitbild fürs Filetstück «Werk 1».

Auf dem Sulzerareal in Winterthur geht nun nach Jahren des Dornröschenschlafs die Post ab. Der Superblock von Adolf Krischanitz, in dem bis 2015 die gesamte Stadtverwaltung unterkommen soll, ist im Bau. Klar ist nun auch, wie behutsam die Stiftung Abendrot das Lagerplatz-Areal weiterentwickeln will. Nun geht Implenia, die neue Besitzerin der Sulzer Immobilien, mit der Testplanung und dem daraus resultierenden Leitbild fürs Filetstück «Werk 1» an die Öffentlichkeit. Am 20. März stellte sie den Mietern und Anwohnern sowie den lokalen Architekten die Ergebnisse der Testplanung für das 50000 Quadratmeter grosse Gebiet vor. Zur Anwohner/Mieter-Veranstaltung kamen nur 20, als das Forum Architektur eine Stunde später zur Diskussion rief, kamen über 100.


Mike Guyer (Gigon/Guyer Architekten) und Günther Vogt (Vogt Landschaftsarchitekten) stellten ihr Siegerprojekt entlang der inhaltlichen Kerne «Freiraum-Volumen», «Alt-Neu», «Baufelder» und «Hochhäuser» vor. Kernstück ist ein zentraler «Stadtgarten», um den herum sich publikumsintensive Nutzungen wie Kongress, Gewerbe, Hotel, Schulen und Wohnen (genossenschaftlich bis gehoben) gruppieren. Erhalten möchten sie mehr Hallen, als die Denkmalpflege fordert. Viele sind es trotzdem nicht mehr. Drei Hochhäuser (100, 60 und 40 Meter) sind geplant, damit wird die geforderte Dichte zwischen 150 und 230 Prozent erreicht. Soweit so gut.


Nach dieser Präsentation beteuerten Roland Fisch und Walter Mumenthaler von Implenia, wie wichtig das Areal für das Unternehmen sie, wie wichtig seine Fussgänger- und Velofreundlichkeit, seine nachhaltige Entwicklung, die Architekturqualität und der Umgang mit dem Bestand seien. Michael Hauser, Stadtbaumeister, lobte im Anschluss den Prozess und erklärte, wie es weitergehen sollte.


In der Podiumsdiskussion wurde über Dichte, das Verhältnis von Alt und Neu, über Erdgeschoss-Nutzungen und die Lehren aus Neu-Oerlikon gesprochen. Guyer und Fisch gaben sich überzeugt, dass ein so zentrales und gut erschlossenes Gebiet klar das Zeug zur zweiten City (neben der Altstadt) habe. Die Statements zu den Erdgeschossnutzungen und ihre Finanzierung (die das Leben der City am Schluss ausmachen) waren schon weniger klar: Guyer forderte deutlich, dass Implenia Gewerbe- und Ladenfläche subventionieren müsse, sonst käme der angestrebte Nutzer-Mix wohl kaum zustande. Fischer wollte keine klare Aussage dazu machen und antwortete auf die Frage eines Mietervertreters nach günstigen Mieten für Kleingewerbe nur, dass beispielsweise Staffelmieten ein mögliches Modell zur Sicherung der «Artenvielfalt» seien. Der Stadtbaumeister, dessen Aufgabe nun ist, Implenia zu einem möglichst vitalen und vielfältigen Stadtteil zu verpflichten, machte auch wenig klare Aussagen: Der Gestaltungsplan sei vom Stadtrat noch nicht abgesegnet, diskutiert werde unter anderem immer noch, wer die neuen öffentlichen Räume besitzen und bewirtschaften solle oder wie viele Parkplätze es geben werde, so Hauser.
Der Gestaltungsplan soll diesen Frühling aufliegen (die städtebaulichen Leitlinien stammen aus dem Jahr 2010), so dass 2014 die ersten Baugesuche bewilligt werden könnten.

Die Geschichte des Sulzerareals erzählt übrigens Walter Muhmentalter, seit über 20 Jahren an der Entwicklung auf Bauherrenseite beteiligt, in seinem Büchlein «Sulzerareal - Geschichten» mit vielen historischen Bildern und Plänen nach.

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