Werner Huber ist Redaktor und Co-Geschäftsleiter bei Hochparterre.

Mut zum grossen Schritt in Zürich!

Das Schauspielhaus Zürich benötigt hinter den Kulissen eine zeitgemässe Infrastruktur. Dafür braucht es ein neues Haus. Das muss aber nicht am angestammten Ort stehen.

Der Genfer Neubau von Fres Architectes illustriert hervorragend, wie ein Theater heute konzipiert sein muss: rationell organisiert, mit viel Raum und optimierten Abläufen. Nicht umsonst verwenden die Architekten den Begriff ‹Usine à spectacles›. Davon kann das Schauspielhaus in Zürich vorerst nur träumen. Die Platzverhältnisse sind prekär, die technischen Ausrüstungen veraltet und die Beziehung zwischen Publikum und Schauspielerinnen und Schauspielern – das wohl Wichtigste im Theater überhaupt – durch ungünstige Sichtverhältnisse beeinträchtigt. Gründe genug, das alte Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen. So wollen es die Stadt und die Schauspielhaus AG als Betreiberin. Weil sich das Theater hinter einem Blockrand verbirgt, wären die Veränderungen von aussen kaum sichtbar. Doch das Zürcher Schauspielhaus ist eben nicht irgendein Theater, sondern es war in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs eine der wenigen freien Bühnen im deutschsprachigen Raum. Das macht die Pfauenbühne zu einem wichtigen Erinnerungsort. Zudem ist der Saal, so unpraktisch er ist, einer der wenigen erhalten gebliebenen Theatersäle aus den 1920er-Jahren. So wundert es nicht, dass die Opposition, allen voran der Heimatschutz, gegen die Abbruch- und Neubaupläne Sturm läuft, seit die Stadt die Idee 2018 publik gemacht hatte. Im vergangenen November legte der Stadtrat vier Varianten für den Umgang mit dem Schauspielhaus vor. Die beiden minimalen liegen nahe beieinander, und bei der dritten, einer Sanierung mit grossen Eingriffen, würde für sehr viel Geld trotzdem sehr viel Bausubstanz zerstört. Die vierte sieht den Abbruch und einen Neubau vor. Für das heutige Theaterschaffen am Pfauen spielt die Erinnerung an die grosse Zeit des Theaters keine Rolle mehr. Regisseurinnen, Schauspieler und Mitarbeitende hinter den Kulissen brauchen eine zeitgemässe ‹Caisse à outils›, ...
Mut zum grossen Schritt in Zürich!

Das Schauspielhaus Zürich benötigt hinter den Kulissen eine zeitgemässe Infrastruktur. Dafür braucht es ein neues Haus. Das muss aber nicht am angestammten Ort stehen.

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