Das Bild zeigt Louis Kahn in seinem Atelier in Philadelphia 1961. (© Louis I. Kahn Collection, University of Pennsylvania and the Pennsylvania Historical and Museum Commission) Fotos: PD

Kahns Kosmos

Das Vitra Design Museum beeindruckt mit einer umfassenden Schau über Louis Kahn. Von den gefeierten Meisterwerken bis zu den vielen unverwirklichten Entwürfen des amerikanischen Architekten lässt sie nichts aus.

An Louis Kahn führt kein Weg in den Architekturhimmel vorbei. Seine archaischen Formen und seine steinerne Monumentalität sind zeitlos. «The Power of Architecture» heisst denn auch der pathetische Untertitel der grossen Schau, die das Vitra Design Museum dem amerikanischen Architekten derzeit widmet. Um eben diese Kraft zu ergründen, scheuten die Kuratoren Stanislaus von Moos und Jochen Eisenbrand keinen Aufwand. Sie gruben in Archiven, interviewten Architekten und trugen Skizzen zusammen. Das Museum platzt fast aus allen Nähten: An jeder Wand hängen Dutzende Zeichnungen, Fotografien und Pläne. Kein drei Schritte und schon trifft man auf das nächste Holzmodell, während im Luftraum darüber eine Filmsequenz über die Leinwand flimmert. Die Ausstellungsmacher ergründen Kahns Welt in ihrer ganzen Breite: Sie feiern seine weltbekannten Meisterwerke, präsentieren manche Entwürfe, die in der Schublade landeten, und zeigen viele Zeichnungen, die er auf seinen Reisen um die Welt gemalt hat. Um die Querbezüge aufzuzeigen, führen die Kuratoren den Besucher geschickt entlang Themen zu den Projekten. Die Schau ist anspruchsvoll. Doch dank des sorgfältigen Konzepts verliert man den Faden auch dann nicht, wenn man zwischen den Erzählsträngen hin- und herwechselt. Ein Wehrmutstropfen sind allerdings die Pläne. Die originalen Planzeichnungen aus Kahns Büro lassen Einblicke in den Entwurfsprozess zu. Doch wer die fertigen Bauten verstehen will, sucht meist vergeblich nach Grundriss und Schnitt. Dafür werden auch Kahn-Kenner in der Fülle auf Unbekanntes stossen. Etwa einen Briefwechsel zwischen dem Architekten und seinem mexikanischen Kollegen Luis Barragán. Kahn wusste lange nicht, wie er den Platz beim Salk Institute in Kalifornien gestalten sollte – auch als das Gebäude bereits in Bau war. Barragán riet im darauf, diesen als simple Plaza einzurichten. Kahn war begeistert von der Idee und honorierte sie mit 1000 Dollar. Es sind solche Fundstücke, die die hochkarätige Schau bereichern. Wer noch weiter in Kahns Kosmos stöbern will, schlägt den schwergewichtigen Katalog zur Ausstellung auf. Mit rund 500 Abbildungen zeichnet er Kahns Pfad zum Weltarchitekt detailliert nach.

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