Das Kupferdach des Hauses am Sarnersee wirkt leicht wie Papier und bedeckt eine kräftige Betonschicht. Fotos: Karin Gauch & Fabien Schwartz

Hundert Tonnen Dach

Scheidegger Keller verschmelzen im Haus am Sarnersee Gegensätze. Sie setzen die äussere Symmetrie innen unter Spannung, reagieren auf den Kontext und behaupten zugleich die Autonomie der Architektur und schaffen einen Einraum, der zugleich terrassierter Dreiraum ist. Ein mehrdeutiger und vielschichtiger Erstling.

2005 zerstörte ein Hochwasser das kleine Haus am beschaulichen Sarnersee. Es gilt die Bestandesgarantie: Mit dem Ersatz beauftragt erhalten die Architekten die vormalige Breite, glätten den Rücksprung des Eingangs und rücken die hintere Wand an die Stützmauer. Anstelle eines Satteldachs setzen sie dem nun einfachen und grösseren Volumen ein Zeltdach auf. Das Resulat zeigt: Umstände und Wille machen Architektur.Mit der ungerichteten Kupferdeckung fügt sich das neue Haus dezent in die Uferlandschaft ein und blickt gemeinsam mit den Nachbarn aufs glatte Wasser. Rundum trennt Glas das Dach vom schützenden Betonsockel. Innen zeigt sich die unterm schwebenden Hut wirkende Kraft. Zwei Y-Stützen stemmen gut hundert Tonnen Beton empor. Sie sind Teil des Stabwerks, das vor Ort mit vorgefertigten, heller lasierten Betonelementen in Rauten- und Dreiecksform vergossen ist. Weit reicht der sich verjüngende Dachrand über die Traufe und verwandelt die beinahe brutale Kraft des Innenraums in zeltartige Leichtigkeit.Ausgehend von einer ins Innere gezogenen Stützmauer gliedern zwei Höhenversprünge den Einraum. Vom tief eingegrabenen Schlafbereich aus scheint der See bis ans Haus zu fliessen, vom erhöhten Kochbereich aus verschwindet die Uferlandschaft gegenüber, und der See scheint endlos. Bloss vom längs liegenden Wohnraum aus sieht man Wiesen, Wasser und Berge.Die Zürcher Architekten Scheidegger Keller spielen mit der Wahrnehmung und verschmelzen Gegensätze. Das Haus ist aussen einfach und symmetrisch, sein Inneres setzen die aus der Achse gerückten Betonäste unter Spannung. Der Kontext bestimmt die Form und beeinflusst das Innere, dennoch ist das Resultat ein autonomes Last- und Raumgefüge. Und der Einraum unterm Dachstabwerk ist zugleich ein terrassierter Dreiraum. Gerade am mehrdeutigen und vielschichtigen Erstling sähe man neben aufgeräumter und kühler Klarheit aber gern meh...
Hundert Tonnen Dach

Scheidegger Keller verschmelzen im Haus am Sarnersee Gegensätze. Sie setzen die äussere Symmetrie innen unter Spannung, reagieren auf den Kontext und behaupten zugleich die Autonomie der Architektur und schaffen einen Einraum, der zugleich terrassierter Dreiraum ist. Ein mehrdeutiger und vielschichtiger Erstling.

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