Musikerwohnhaus Basel: Das Gerüst aus Beton und Stahl legt sich wie eine zweite Haut über das Haus. Fotos: Walter Mair

Fin de chantier: Die Musik gibt den Ton an

Um die Ecke liegt der Voltaplatz, bekannt durch seine Neubauten im Norden Basels. Eine Strasse weiter führen Buol & Zünd Architekten mit ihrem Musikerwohnhaus vor, welchen Reiz alte Bausubstanz ausstrahlt, wenn man sie weiterentwickelt.

Um die Ecke liegt der Voltaplatz, bekannt durch seine Neubauten im Norden Basels. Eine Strasse weiter führen Buol & Zünd Architekten vor, welchen Reiz alte Bausubstanz ausstrahlt, wenn man sie weiterentwickelt. Zwei Wohnbauten und eine Fabrik von 1926 wurden an die Wohn- und Arbeitsbedürfnisse von Musikern angepasst. Die Umnutzung der Lichtschalterfabrik Levy Fils in ein Musikerwohnhaus öffnete das geschlossene Areal für das Quartier.

Im Vorderhaus reihen sich nun im Erdgeschoss an Stelle der Büros die Proberäume, im Obergeschoss die Gästewohnungen und Lofts für externe Musiker. Der Eingang ist zu einer grosszügigen, übersichtlichen Halle ausgebaut. Weiss gekachelte Wände erinnern an englische U-Bahn-Stationen und vermitteln den Eindruck eines Durchgangsraums. Neben dem bestehenden schiebt sich ein neuer Innenhof in die alte Fabrikhalle; er belichtet durch die verglasten Fassaden drei aneinandergereihte Maisonettewohnungen sowie die gegenüberliegenden 7 ½-Zimmer-Wohnungen 
für Wohngemeinschaften. Die Raumaufteilung folgt dem bestehenden Raster der hölzernen Tragstruktur in den Hallen.

Ein weisses Skelett aus Beton und Stahl ragt vor der neu gedämmten Fassade in die Hofräume hinein und erweitert die innere Struktur optisch nach aussen. Damit die Musiker jederzeit üben können, schirmt eine Schallisolierung von bis zu 65 Dezibel die Übungsräume von den angrenzenden Wohnungen ab. Dank der klaren Trennung der konstruktiven und bauphysikalischen Schichten bis in die Dachfläche bleibt der neue und alte Aufbau des Gebäudes ablesbar. Die Eingriffe in den Bestand bereinigen die komplexe Situation und die schlichte Materialisierung erhält den industriellen Charakter des Baus.

Neben dem vielfältigem Wohnungsangebot — von 3 ½ Zimmern bis zur Maisonettewohnung mit 190 Quadratmetern — gehören eine Kantine mit Mittagstisch und eine gedeckte Kinderspielhalle zur neuen Anlage. Den Musikern vorbehalten bleibt der «Weisse Saal» als Mehrzweckraum. Wo sich die Fabrik- und Werkstatthallen einst um einen schmalen Innenhof schlossen, öffnet sich heute das Tor zur mächtigen Wohnüberbauung VoltaWest. Denn das Musikerwohnhaus ist kein Elfenbeinturm, sondern auch für die Bewohner des umgebenden Quartiers nutzbar. Zusammen mit zwei anderen Musikerhäusern an der Lothringerstrasse, die noch im Bau sind, entsteht ein Zentrum für gut sechzig Musikerinnen und deren Familien.

Musikerwohnhaus, 2010
Lothringerstrasse 165, Basel
> Bauherrschaft: Stiftung Habitat, Basel
> Architektur: Buol & Zünd Architekten, Basel; Matthias Aebersold (Projektleitung), Martin Schröder, Silvio Schubiger, Matthias Braun
> Auftragsart: Studienauftrag, 2006

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