Gegen Bahn und Strasse ist die Überbauung in Seon viergeschossig. Fotos: Joachim Mantel

Fast wie im Einfamilienhaus

Wohnungen für ältere, nicht pflegebedürftige Menschen müssen vielfältigen Ansprüchen gerecht werden. Das Projekt W3A in Seon im Aargauer Seetal bringt 
alle unter einen Hut.

Wohnungen für ältere, aber noch nicht pflegebedürftige Menschen müssen vielfältigen Ansprüchen gerecht werden. Einerseits sollen sie grösser und komfortabler — eigentlich «normaler» — sein als die klassischen Alterswohnungen der Sechziger- und Siebzigerjahre, andererseits müssen sie doch so konzipiert sein, dass man möglichst lange darin wohnen kann, auch wenn man dereinst pflegebedürftig wird. Ausserdem bedeutet für viele der Schritt in die neue Wohnung auch der Abschied vom Einfamilienhaus.

Das Projekt W3A in Seon im Aargauer Seetal bringt 
alle Ansprüche unter einen Hut. Die 36 Wohnungen mit 2 ½ und 3 ½ Zimmern sind grosszügig geschnitten und mindestens zweiseitig belichtet. Schiebetüren ermöglichen vielfältige Raumbeziehungen und verleihen den Wohnungen Grosszügigkeit, insbesondere wenn die Türen des Badezimmers geöffnet sind und dieses zu einem Durchgangsraum wird. Dass die Wohnungen auch behindertengerecht sind, sieht man ihnen nicht an; die Räume sind aber entsprechend konzipiert, und die nötigen Hilfsmittel lassen sich bei Bedarf einfach installieren.

Bei der Erschliessung der Wohnungen, den privaten Aussenräumen und der Komposition der Baukörper ist den Architekten der Spagat zwischen Mehrfamilienhaus und Einfamilienhaus gelungen: Der grösste Teil der Wohnungen ist in einem u-förmigen, drei- bis viergeschossigen Gebäude untergebracht, das einen nach Süden offenen Hof umschliesst. Der Laubengang, der die Wohnungen erschliesst, ist so weit vom Haus abgelöst, dass im Zwischenraum ein im Prinzip privater, jedoch an den halböffentlichen Laubengang angeschlossener Aussenraum Platz findet. Dieser Balkon funktioniert gleich wie der Vorgarten eines Einfamilienhauses.

Das Herz der Anlage ist der Innenhof mit dem plätschernden Brunnen. Am Durchgang von der Bahnstation in den Hof ist an prominenter Stelle der verglaste Waschsalon eingerichtet. Aus dem Hof leitet ein zweiter, zweigeschossiger Bau schräg in die angrenzende Parkanlage. In diesem Haus sind weitere acht Wohnungen untergebracht — jene im Erdgeschoss mit einer privaten Terrasse. Der grosszügige Grünraum bindet die Neubauten in ein Ensemble aus drei historischen Villen und dem Alters- und Pflegeheim aus den Achtzigerjahren ein. Prominenter Blickfang ist die sorgfältig sanierte Villa Walti, von deren Park auch die Bewohnerinnen und Bewohner der neuen Überbauung profitieren.

W3a Wohnen im Alter, 2011

Talstrasse 3A, Seon

– Bauherrschaft: Verein für das Alters- und Pflegeheim Unteres Seetal, Seon

– Architektur: Mantel Architects (vormals Denkwerk Architekten), Winterthur

– Ausführung: Stadler Architekten, Boniswil

– Kosten (BKP 1–9): CHF 12,65 Mio.

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