Geplantes Wohnhaus von EMI Architekten in Hottingen, Zürich Fotos: EMI

EMI: Was tun wir da überhaupt?

Das junge Zürcher Erfolgsbüro EMI Architekten reflektiert das eigene Schaffen. Eine nebulöse, doch interessante Angelegenheit.

Es ist wichtig, über die Dinge zu sprechen. Das glauben auch BHSF Architekten und führen derzeit in ihrem Büro in Zürich die fünfte Reihe ihrer Werkstattgespräche durch. In informellem Rahmen kommt etwa zweimal monatlich ein Gast unter dem Überthema ‚True Lies’ (entlehnt aus dem Film mit Arnold Schwarzenegger) zu Wort. Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob es immer um die absolute Wahrheit geht, wenn Architektur geschaffen wird. Ist dies überhaupt möglich? Muss man lügen, um ans Ziel zu kommen?

Die eigene Philospohie darlegen

Diese und andere Fragen dienten EMI Architekten aus Zürich – zumindest in der Theorie – gestern Mittwoch abend als Anhaltspunkte für einen Vortrag über ihr Schaffen. Christian Müller Inderbitzin, das I von EMI, eröffnete den Vortrag mit der Feststellung, dass das Büro angesichts der vielen Wettbewerbserfolge mit der Anfrage konfrontiert worden sei, die eigene Architekturphilosophie darzulegen. Aber dies könnten sie nicht und ohnehin sei ihnen die Frage suspekt. Trotzdem versuchten sie gestern, ihre Arbeitsweise unter dem Vortragstitel ‚Was tun wir da überhaupt?’ zu erklären.

Architektur ist immer Form, immer Komposition und EMI suchen nach Schönheit. Im Anschluss an diese Aussage zu Beginn legten sie zwei zentrale Themen dar. Erstens die ‚offene Form’ im Sinn einer infiniten, imperfekten, mehrdeutigen und unter Umständen gar hässlichen Form. Zweitens das Konzept ‚Picturesque’ aus dem englischen 18. Jahrhundert, wo es salopp gesagt um den Bruch mit dem klassischen Schönheitsideal des Perfekten und Symmetrischen geht. Aus diesem kittenden Brei der Suggestion soll die Kluft zwischen Theorie und Praxis geschlossen werden – denn beides wird im Büro ernsthaft betrieben. Müller Inderbitzin legte dar, dass der Weg von einer Theorie zur architektonischen Form keinesfalls kausal ist und dass ein Projekt, wie etwa das Wohnhaus in Zürich-Hottingen (Bild), bloss eine der möglichen Formen verkörpert, die es annehmen kann. Äussere Umstände und die eigene Entscheidung setzten lediglich einen Schlusspunkt im prinzipiell unendlichen Entwurfsprozess.

«Anektdotischer Funktionalismus»

Das klingt ein wenig nach manueller Parametrik und ist dieser auch nicht unähnlich – handelt es sich hier doch um einen abstrakten, intuitiven Zugang, der aus Theorien und Bildern auswählt, diese gewichtet, gegeneinander ausspielt und so zu neuen Formen kommt. Doch, so wurde betont, muss das abstrakte Modell – man könnte es auch Konzept nennen – sobald wie möglich verlassen werden, um schlussendlich zu einem architektonischen Ausdruck zu gelangen. Disziplinfremde Formensprachen wie das Biomorphe der Gegenwart interessieren das Büro nicht und so sprechen EMI von ‚schwachem Expressionismus’ und ‚anekdotischem Funktionalismus’.

Diffus blieb man gestern zurück. Kein Wunder, vermögen doch Worte wie Brei, Diffussion, Suggestion oder ‚das Malerische’ schon ihrer Natur nach kaum klare Aussagen zu treffen. So gesehen ist der Weg das Ziel im jungen Büro, das stets neu zu beantworten versucht, wie Architektur gemacht wird. Elli Mosayebi, das M, erklärte diesen Drang nach Freiheit und schwacher Determinierung des Entwurfsprozesses aufgrund der in den Nullerjahren genossenen Ausbildung, in der ein stringentes Konzept alles ‚bis hin zur Schraube’ zu kontrollieren hatte. Dass das Büro nun nach einem eigenen, informelleren Zugang sucht, ist mit diesem Wissen nachvollziehbar. Und gerade in der Schweiz erfreulich, solange wie bei EMI Architekten ernsthaft und beharrlich gesucht und auch gefunden wird.

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