Grünhornhütte heute Fotos: SAC

Die SAC Hütte als Mythos und Tatsache

Der Schatz des Alpenclub SAC sind seine 153 Hütten. An einem bunten Abend im Alpinen Museum lüftete Köbi Gantenbein das Geheimnis um die erste SAC Hütte im Glarnerland.

Wie hat alles begonnen? Wie war es wirklich? Wie soll es werden? Fragen über Fragen, die den SAC und seine Hütten seit 150 Jahren umtreiben. Aber es gibt einen Trost. Wer vorne anfängt, weiss wo beginnen. Bei der Grünhornhütte.

Grünhornhütte vor 1900

Tatsache ist: Am Grünhorn zuhinterst und hoch oben über dem Glarnerland steht auf 2453 Meter über Meer seit dem Sommer 1863 eine Hütte im Grundriss 2 m x 3 m, Gebaut aus vier einen Meter dicken Mauern aus grüngrauen Alpinit-Steinen. Obendrauf Giebelbretter und in den Mauern Blechkisten für Kochgerät, Visiten- und Forschungsbuch und Thermometer und auf dem Boden einen Heuhaufen zum Schlafen.

Wir wissen alles über diese Hütte vom ersten Entwurf bis zur Auflistung, dass die zwölf Arbeiter täglich 1 Pfund Fleisch oder Wurst, 1 Kilo Brot, 1 Flasche Wein, 1 Schoppen Cognac und 6 Franken zu gut hatten. Und alle zusammen zwei Flaschen Sprit, 1 Kilo Zucker und Schokolade, Flanellhemden, Lippenpomade, Gamaschen und Sonnenbrillen – damals ein rares Werkzeug für uns Berggänger.

Doch – wissen wir alles? Meine Neugier ist bei der eigenartigen Dachkonstruktion der ersten Grünhorn-Hütte hängen geblieben. Statt eines Daches hatte sie eine rote Blache, die die Bergsteiger am Abend über die Holzsparren zogen, am Morgen zusammen rollten und im fortan dachlosen Haus versorgten. Auch Haustüre gab es keine. Das fasziniert mich. Der Architekt musste entweder nicht bei Trost oder ein Avantgardist der Architektur gewesen sein, wie ihn die Schweizer Hausforschung noch nie angetroffen hat. Denn ein Haus ohne Tür und Dach ist Kunst aber nicht Architektur.

«Nicht bei Trost» oder «ein unbekannter Avantgardist? Die Archive der Sektion Tödi und des Centralcomités des SAC geben keine Antworten auf meine Dachfrage. Alle Akten tun, wie wenn diese Konstruktion die normalste Sache der Welt gewesen wäre – und das nach über zehntausend Jahren Baukunst, die dem Dach über dem Kopf und der Tür ins Haus ja immer Gewicht gegeben hat. Was war da geschehen? Warum das Blachendach und die torlose Türe? Warum die Masse 2 m x 3 m? Warum der völlige Nichtkomfort?
Um meine Neugierde zu kühlen durchwühlte ich alle Glarner Archive, sass stundenlang in den Wirtschaften des Kantons und streifte von Alphütte zu Alphütte, vom Weisstannental über den Foopass nach Elm. Dann hinauf über den Erbser Stock zum Richetlipass zum Durnachtal hinunter nach Linthal und wieder hinauf über Braunwald in die wunderbare Einsamkeit der Silberen. Vergeblich. Keine Spuren. Niemand wusste etwas.

So stieg ich halt auch auf den Tödi und nahm den kühnen Wegs hinab in die Val Russein, wo ich beim obersten Heugaden einen alten Mann traf. Er sass in der Nachmittagssonne hatte ein rotes Wams unter einem Leibrock aus dickem Tuch, gut genagelte Schuhe an den Füssen, einen dichten, schneeweissen Haarschopf und eigenartig stechende Augen, klar wie das Wasser des Punteglias-Seeleins. Seine Aufmachung in der Art des 19. Jahrhunderts dünkte mich ebenso kurios wie sein Name: «Ich bin Major Jenni-Ryffel», sagte er mit sonorer Stimme mit dem so schön singenden Unterton der Glarner.

Doch ich stutzte. In der Surselva heisst man weder Jenni noch Ryffel, sondern Curschellas oder Spescha. Major Jenni breitete ein grosses weisses Leinentischtuch auf der Alpwiese aus, schnitt ein Pfund Wurst und ein Kilo Brot auf, öffnete eine Flasche Wein und lud mich ein. Er reichte mir das Glas.

Da erschrak ich ungemein.

Ich berührte ihn am Arm und es war als griffe ich in die Luft. Da war nichts. Kein Körper. Zur Sicherheit klopfte ich ihm auf die Schulter – und schlug ins Leere. Der Rotwein aus der Bündner Herrschaft aber war gut, die Brotzelte vom Bäcker Gabriel in Glarus und die Hirschwurst vom Metzger Kern aus Ennenda auch. «Jeden Tag erhalte ich eine solche Ration geliefert», sagte Major Jenni kauend.  

Ich liess mir nichts anmerken. Er frug mich, was mich in diese einsame Gegend treibe, es sei gefährlich hier abzusteigen anstatt glarnerseits. Ich berichtete ihm von meinen Forschungsreisen auf Spuren zur Dachfrage der Grünhornhütte diesseits des Tödi, weil jenseits nichts zu finden sei. Er schaute mich lange an mit seinen wasserklaren Augen. Er nahm einen Schluck aus dem Schoppen.

«Du hast Glück. Ich bin der Architekt der ersten Hütte des SAC. Du bist auserwählt. Es ist Zeit, die Welt aufzuklären.»

Und so kam er ins Erzählen. «Wir waren eine muntere Truppe, der Hauser Kaspar, der Oberleutnant Streiff, der Zeichner Speich und ich. Nachdem wir den Theoretikern vom Centralcomite ausgeredet hatten, die Hütte an der Gelben Wand zu bauen, gaben sie uns Grünlicht für das Bifertengrätli. Doch wie sollte die Hütte werden? Ich bin ja als Major weit im Land herumgekommen und habe auch Truppen im Engadin inspiziert. So etwas wie die Hotels von St. Moritz kam auf keinen Fall in Frage. Schliesslich waren wir Bergsteiger Forscher und Soldaten des Gebirges und keine Bergtouristen. Ich projektierte also die erste Hütte SAC in Zucht und Ordnung. Damit für die nächsten 150 Jahre klar wäre, was Sitte und Brauch ist. Zusammen mit dem Zeichner Speich mass ich den Grundriss aus und die Bauarbeiter hauten Steine.

Am Abend der ersten Nacht wurde der Himmel schwarz, die Nebel zogen in dichten Schwaden vom Bifertenälpli herauf und vom Tödi drückte der Schnee herunter. In der Nacht heulte der Sturm und wir mussten uns unter dem Mannschaftszelt, das ich vom Zeughaus Glarus erhalten hatte, eng aneinander pressen.

Ich schnitt ein Redli Wurst und eine Scheibe Brot ab und streifte absichtlich seine Hand. Nichts. Leer. Mir wurde unheimlich.

Major Jenni trank Herrschäftler und fuhr weiter. «Wir lagen also dort hoch oben über dem Glarnerland. Plötzlich wurde es windstill. Von allen vier Seiten krochen kleine glänzende Pünktlein in unser Zelt. Wie eine leuchtende Strasse. Tausende. In ihrer Mitte begann eines hell und heller zu leuchten und rief:

«Wir sind die Bergläugeli. Alles Seelen von vertrohlten Gemsjägern, ledigen Müttern, die in die Berge flohen und die unerlösten Seelen von Suworows und Napoelons toten Soldaten. Bei uns  sind auch die Seelen der noblen Engländer, die seit jüngst reihenweise in Gletscherspalten fallen. Wir aber haben die Menschen gerne. Wir sind die Schutzgeister der Bergsteiger. Wir wollen nicht, dass ihnen passiert, was uns geschah. Und Dich, Major Jenni aus Glarus, dich haben wir auserwählt auf immer und ewig unser Knecht zu sein. Du musst dafür sorgen, dass die Grünhornhütte eine komfortables Hotel wird, so in der Art der Hotels von St. Moritz, die alle uns verpflichtet sind, den Bergbesuchern Komfort und Schönheit zu geben. Ein kommodes Haus, gut geheizt, mit Betten und Pfulmen, gemütlichen Stuben und guter Küche.»

Und Major Jenni erzählte weiter: «Dann waren plötzlich alle Lichtlein gelöscht. Der Wind blieb still, das Wetter lau. Ich fiel fast in Ohnmacht und trohlte um ein Haar von der Grünhornbaustelle den stotzigen Hang hinunter. Meine Kameraden schnarchten wie wenn nichts wäre. Ich aber hatte von einer Sekunde auf die andere statt rabenschwarze Haare schneeweisse. Es geschieht ja oft in den Bergen, dass nächtliche Begegnungen mit dreiköpfigen Urmelis, polternden Frümselhunden oder gemsliebenden Frybergjumpferen uns Bergsteiger tief erschüttern. Nachher ist alles anders als vorher. Ich stieg ab ins Tal, zeichnete einen neuen Plan, auf dem das Hotel Grünhorn einen Grundriss von 30 x 40 Meter mass, statt 3 x 4 Meter, einen Salon hatte, eine Küche, drei Stockwerke und 20 Zimmer mit Tal- oder Tödisicht. Damit ging ich zu meinem Kameraden, dem Sektionspräsidenten Kaspar Hauser.

Der polterte, ob ich nicht mehr bei Trost sei. So etwas käme überhaupt nicht in Frage. Bergsteiger, Forscher und Soldaten seien Männer und keine Weicheier. Eine Bergfahrt sei eine Prüfung, belohnt mit Gipfelblick. Und es fehle noch, wenn man ausschlafe in der Hütte statt frühauf zu Berge. Dann komme es noch so weit, dass man kommode Bahnen auf den Berg baue. Und überhaupt, das Baubudget betrage 891 Franken.

Ich aber hatte das starke Leuchten der Augen des Oberläugeli im Gedächtnis, und frug, ob wenigstens ein dichtes Dach, eine Türe, Bettstatt und Ofen möglich wären. Doch auch dafür hatte Hauser kein Gehör, er wunderte sich vielmehr, warum ich abgefallen sei von der aufrichtigen, soldatischen und berglerischen Haltung. So stieg ich wieder hinauf zum Bauplatz. Meine Mannen kamen gut voran. Dach gab es keines und Türe auch nicht.

In der nächsten Nacht – wieder wütetet das Wetter – kam die Lichterheerschar nachmals und der Chef der Läugeli sagte: «Diese Hütte ist eine falsche Prüfung für die Bergsteiger und kein Trost und gemütlicher Schermen. Major Jenni, Du hast versagt. Du bist nun auf immer und ewig unser und wirst erst erlöst, wenn der Bergsteiger nach Viergang-Diner und erlesenen Weinen im gemütlichen Stübli ins Federbett sinken kann, um gestärkt und wohl ausgeruht anderntags den Alpengenuss zu feiern, nicht ohne sich vorher mit dampfendem Kaffee und frisch gebackenen Gipfeli gestärkt zu haben.»  

Die Sonne in der Val Russein stand schon tief und es ging ein kühles Lüftchen. Ich frug Major Jenni, ob ich ein Feuer anzünden solle. Er sagte, dass er nie friere und auch nie heiss habe. Wir nahmen noch einen Schluck Kaffee. Ich spendierte aus meinem Proviant eine Glarnerpastete, die mir Gabi Aschwanden auf der Fridolinshütte gebacken hatte, bevor ich sie Richtung Tödi verliess.

Wir schwiegen und hörten den Grillen zu. Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit dem alten Gemsjäger Fridolin Elmer-Rhyner in der «Sonne» von Elm. Ich war eben von der weiten Recherchetour von Weisstannen über den Foopass in jenem schönen Dörflein gelandet. Elmer berichtete mir von der Familie seiner Frau, deren Grossmutter eine geborene Jenni gewesen sei, die Enkelin eines legendären Berggängers, Majors und Architekten, der plötzlich verrückte Hotelbauten gezeichnet habe und kantonauf- und ab die reichen Textilherren dafür habe gewinnen wollen. Man habe gemunkelt, der Major sei nicht mehr ganz bei Trost. Und eines Tages sei er plötzlich nicht mehr da gewesen. Man munkelte er sei, wie so viele im Glarnerland jener Zeit, nach Amerika ausgewandert.

Major Jenni lachte als er mich erzählen hörte. Präzis so sei es gewesen. Er wohne seit 1864 überall und nirgends. Er sei tatsächlich verschwunden, doch nicht nach Amerika, sondern eben ein Geist geworden, ein Läugeli. Fort und weg, sichtbar nur für Auserwählte wie mich, berührbar für niemanden. In den Fremdenverkehrsorten habe er viel zur Zufriedenheit seiner Läugeli-Freunde gearbeitet, dort seien die Hotels zu Bergpalästen mit allem Komfort ausgebaut worden, in Konkursen zusammengekracht und in noch grösserer Schönheit wieder erstanden. Er habe Eisenbahnbauer motiviert, Bergbahningenieuren das nötige Können im Schlaf verschafft und Bankiers überredet, in den Bergkomfort zu investieren.

«Alles dank mir», sagte er. Er habe darum dem Oberläugeli den Antrag gestellt, erlöst zu werden und in die Ewigkeit eingehen zu dürfen. Doch das Oberläugeli habe laut gelacht und auf den SAC verwiesen. Dort führten noch immer die harten Männer das Regime von Zucht, Verzicht und Ordnung, auf dass die Bergsteiger in engen stickigen Schlägen übernachten müssten. Ich habe mich also angestrengt, so Jenni, und den Präsidenten Hauser und die Zentralvorstände Nacht für Nacht in unruhige Träume gestürzt. Und siehe da, die Cluboberen haben ein paar Monate nach der Hüttenfeier ein Eisendach auf die Grünhornhütte montieren lassen, einen Ofen und eine Pritsche spendiert und eine Türe eingesetzt. Bettstätten wurden eingerichtet, Decken gebracht, die Steine gemörtelt, ein Schindeldach gebaut. Ja und heute ist unsere Urhütte ja ein schön gemachtes Museum und schlafen tun wir in der Fridolinshütte, wo einem nichts mangelt, ein Seeli zum Bade lädt und Gabi Aschwanden gut kocht.

Kurz – er habe viel zu tun gehabt in den letzten über 150 Jahren, fasste Oberst Jenni mit einem Seufzer zusammen. 1878 gab es schon 23 und 1921 100 SAC Hütten. Ich legte ein paar Schitli aufs Feuer. Wenn ich aufstand, um mir die Beine etwas zu vertreten, lief ich einfach durch Major Jenni hindurch.

Er fuhr weiter: «Mit der Zeit gefiel mir mein neues Leben. Man kommt herum in den Alpen, hat jeden Tag eine Flasche Wein, Wurst und Brot und wenn nötig Gamaschen und Sonnenbrillen. Und nass und kalt hat unsereins ja nie. Meistens sind wir Nachtfalter und goldigen Fürste in den Sagen ja Kostverächter. Wir geisseln das Wohlleben der Menschen und stecken die Sündigen in ewige Verdammnis. Nicht so wir Läugeli. An allen Ecken und Ende des Fremdenvekehrs setzen wir uns für das Wohlleben der Gäste ein, machen aus murrenden Berglern weltoffene Hoteliers, fördern die Seilbahntechnik, das Ski- und Bobfahren und drängten Johannes Badrutt gar als ersten in der Schweiz das elektrische Licht anzuzünden in seinem Hotel Kulm in St. Moritz.

Nur die Clubisten waren harte Brocken, die Mischung aus Forscher und Offizier hielt ihre Vorstellung von Mannszucht hoch und die Frauen, die das kritisiert haben, wollten sie schon gar nicht in den Bergen haben. Ein bemerkenswerter Erfolg war sicher, wie ich dem Architekten Gustav Kruck so lange im Traum erschien, bis er nach dem Ersten Krieg meinen Plan einer komfortableren Hütte baute.

Albert-Heim-Hütte SAC 1918

Die Albert-Heim-Hütte liess er fest aus Bruchsteinen gemauert und innen mit Holz auskleiden. Im Erdgeschoss Leben, Essen, Trinken vom Hüttenwart zubereitet und behagliche Wärme kam vom Ofen, damit das Bergsteigerlatein aufglühen konnte und die Kleider trocknen. Und im oberen Geschoss Bettstätten, Matratzen und Wolledecken.

Einen guten Draht hatte ich auch zum Glarner Hans Leuzinger. Er hat sich ja in meinem Sinn an der Grünhornhütte zu schaffen gemacht. Es war sein erster Auftrag als Architekt, was ich getan hatte in meinem nun neu gewendeten Sinn zu verbessern. Ich setzte mich stark für ihn ein, so dass er bald darauf die Fridolinshütte im neuen Stil bauen konnte.
Hier Bild Fridolinshütte

Aussen dicke Mauern, innen gemütliche Auskleidung mit Holz. Auch die Planurahütte ist ihm gut gelungen, denn dort kommt auch der ästhetische Sinn auf seine Rechnung. Der Bergsteiger sitzt im Stübli und schaut durchs grosse Panoramafenster auf den Clariden.»

Ich nestelte mein Notizbuch aus dem Rucksack und las Major Jenni vor, was Leuzinger dachte: «Es war mir immer ein Anliegen, den Bau aus der Form des Berges herauswachsen zu lassen, um eine vollkommene Anpassung ans Gelände zu erreichen». Der Major sagte, er als Architekt möge diesen Leuzingersatz. Seine Läugelikollegen hätten ihn ermuntert: Welthaltige Architektur, baukünstlerische Anspruch seien auch für den SAC gut und richtig, auch wenn das ab und zu wüste Leserbriefe in den «Alpen» hageln werde. Es gehöre zu seiner Aufgabe, derlei zu fördern.

Gut so, sehr einverstanden, sagte auch ich und schnitt die neue Wurst an. Janny kaute lange und fuhr dann weiter. «Beim nächsten Vollmond muss ich bei den Läugeli rapportieren, wohin wir es in den 150 Jahren seit der Dachblache unter dem Tödi gebracht haben: Tschierva Hütte, Mischabeljoch-Biwak und Cabane Rambert – die sind vorbildlich in ihrem und meinem Sinn geraten.»

Chamanna da Tschierva CAS

Mischabeljoch-Biwak

Cabane Rambert

Über die Monte- Rosa-Hütte hätten das Oberläugeli und er gestritten. Jener lobt sie als Zeichen der Zeit, der Major entgegnete, sie sei eine Kraftprotzerei, die mit dem kulturellen, sozialen und leiblichen Komfort von Berggängern nichts zu tun habe. Marketingpirouetten der Ingenieure. Der Major hob statt dessen die steinerne neue Terri-Hütte aufs Schild, die Holzkiste unter dem Spitzmeilen und die verwegen-frivole Hütte auf Corno Gries.

Terri-Hütte

Corno Gries

Die Sonne war nun fort. Das Abendrot glühte gelbrotblau. Wir sassen da und kauten. Mich wärmte das Feuer, ihm war es einerlei. Plötzlich tönte von ferne ein Betruf:

Ave Maria, Ave Maria, Ave Maria
Bhüet nisch Gott där Herr Jesus Chrischt
Lyb, Ehr, Hab, Guet und alles was ummer ischt
Bhüet nisch Gott di Bärgschtiger
Uf ohne Angscht und ab ohni Knüschlotteri
Bhüet nisch Gott d Grüahora-Hütta und dr Major Jenni
Bhüet nisch Gott alli wo z Bärg verlora sind
Und dasch de bald wider bin ünsch sind
Bhüet nisch Gott, Maria, dr Josef und dr Herr Jesus Chrischt
Jetz, immer, ewig und überall
Bhüet nisch Gott, das walti Gott, das tüa dr Liebgott
Ave Maria, Ave Maria, Ave Maria

Kaum war der letzte Ton verklungen blitzte der Blitz und donnerte der Donner und weg und fort war Major Jenni – Ryffel. Nie mehr sah und traf ihn jemand, er musste nicht mehr geistern – er war erlöst.

Mit einem kräftigen Schluck spühlte ich den letzten Bissen Chalberwurst und das Brot in den Magen. Ich versorgte alle Abfälle inklusive Leergut im Rucksack, wanderte in der aufgehenden Nacht über die Alp Russein talauswärts und bog kurz vor dem letzten Abhang scharf links ab, hinaus nach Sumvitg, damit ich dort in der Chamona Egloff zeitig noch ein Nachtlager fände.

Kommentare

Heinz Kindlimann 30.10.2018 13:53
Wunderschön!!!
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Ich kann das Bild nicht lesen