Gekührt: Besa Zajmi, Alexia Sawerschel und Romana Castiglioni sind das Studio Barrus. Fotos: Studio Barras

Damenwahl

Beim Foundation Award 2019 steht es 6:1 für die Frauen. Der jährlich ausgetragene Förderpreis für Jungarchitekten geht heuer an das Studio Barrus, das drei Architektinnen in Zürich führen.

Der Foundation Award blickt nicht allein aufs Werk junger Architekturbüros, sondern interessiert sich auch für deren Selbstbild und Haltung. Der jährlich von Computerworks und anderen Firmen getragene Förderpreis geht diesmal an das Studio Barrus der drei Architektinnen Besa Zajmi, Alexia Sawerschel und Romana Castiglioni. Alle drei studierten an der ETH bei Peter Märkli. Seit 2017 führen sie ihr Büro in Zürich. Zusammengeführt hat sie, wie sie schreiben, ein «gemeinsames Gefühl der Frustration über die wahllose Besiedelung unserer begrenzten Erdoberfläche».

Den zweiten Platz belegen die von zwei Schwestern geführten Leuthold von Meiss Architekten aus Zürich, den dritten Luna Productions von Lukas und Nadja Frei aus Deitingen SO. Damit steht es bei der aktuellen Ausgabe des Foundation Awards 6:1 für die Frauen! Kein Wunder, waren doch auch in der Jury die Männer in der Minderzahl (4:2). Die Preisverleihung fand heute im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel statt.

Nachtrag, 31.01.2019, 12:00: Restaurant Kunsthalle Basel, nach der Preisverleihung. Die frisch gekürten Siegerinnen bauten sich vor meinem Tisch auf und streckten mir ein Smartphone entgegen. «‹Damenwahl›? Geht’s noch?! Ändere das!» Mein Beitrag auf hochparterre.ch würde sie auf ihr Geschlecht reduzieren. Sie hätten den Foundation Award doch nicht gewonnen, weil sie drei Frauen seien. Genauso käme das aber rüber, usw. Ich versuchte mich zu rechtfertigen: Mit meinem Stolz auf eine Jury und ein Podest mit Frauenüberzahl. Mit Journalismus, der halt das Besondere vermeldet und nicht das übliche. «Wenn ein Büro mit drei Männern gewonnen hätte, würdest du das auch so hervorheben?» «Natürlich nicht.» «Aha.»

Hier also der Versuch einer Schadensbegrenzung: Der Fokus meiner Meldung ist missverständlich, der Titel eher ein Altherrenwitz als die intendierte Provokation. Richtiggehend falsch ist der von mir suggerierte, kausale Zusammenhang zwischen dem Geschlechterverhältnis in der Jury und in den ausgezeichneten Büros. Nicht weil in der Jury 4 Frauen sassen haben 6 Frauen gewonnen. So einfach ist es natürlich nicht. Allerdings haben wir die Genderdiskussion in der Jury geführt. Solange Männer die Architekturszene dominieren, muss man das thematisieren. Und loben, wenn es umgekehrt ist, also Frauen in der Mehrheit sind. Beim Zusammenstellen und Leiten einer Jury ist mir das wichtig. Innerhalb der Jury gab es unterschiedliche Haltungen dazu. Und auch die drei Architektinnen vom Studio Barrus sehen das anders. Das sei, sagen sie, wie bei der Hochzeit von Prinz William und Kate, bei der alle nur über den Hintern von Pippa geschrieben hätten, statt übers Brautpaar. «Schreib über unsere Inhalte, und nicht darüber, dass wir Frauen sind!»

Kommentare

Martin Zumsteg 11.02.2019 22:33
Ich finde es durchaus sinnvoll, dass intelligente Frauen in Jurys sitzen und Konzepte für neue Projekte entwerfen. Das Arbeiten auf Baustellen sollte man den Männern überlassen, sonst würde ja gar nichts mehr gebaut, oder? Kein Witz
Franz Müllner 13.02.2019 16:22
Und was läuft bei dir Martin? Hat dich etwa Axels Artikel zu deiner Aussage motiviert? Inhaltlich wertvoller Beitrag: https://www.swiss-architects.com/de/architecture-news/gefunden/studio-barrus-triumphiert
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