Charles Pictet zeigt sich in seinem Werk (Foto: Gian Paul Lozza) Fotos: Charles Pictet

Charles Pictets Welt 
am Genfersee

In welchem Stil sollen wir 
bauen? In jedem, sagt 
Charles Pictet. Er führt uns zu seinen Häusern 
und schildert seinen Weg zum öffentlichen Bauen.

«Das Café liegt gegenüber der gelbgrünen Fassade.» So beschrieb mir Charles Pictet den Weg zu unserem Treffen hinter dem Genfer Bahnhof. Je weiter man in der Schweiz nach Westen reist, desto gelbgrüner oder oranger sind die Häuser, so könnte man leicht boshaft die Architektur der Romandie charakterisieren. Pictet macht eine andere Art Architektur, eine leisere. Wie das alte Café, in dem er nun sitzt: unspektakulär. Der elegante Mann mit weissem Hemd und schwarzer Brille plaudert mit der Besitzerin. Später serviert sie uns einfache, gute Speisen.Architektonisch ist Charles Pictet in seiner Stadt ein Aussenseiter. Kaum jemand hier teilt seine Vorlieben. In Genf blicke man eher nach Frankreich oder in die USA, schüttelt er den Kopf. «Es fehlt die Kultur. Man sucht nicht nach der eigenen Tradition.» In der Deutschschweiz fühle er sich heimischer, sagt der Architekt, der fliessend Deutsch spricht, auch Englisch, Italienisch und natürlich Französisch. Durch die Teilung des kleinen Kantons in 48 Gemeinden sei das Bauen hier politisch schwieriger als anderswo. Mit dem Ergebnis resignierter Architekten: «Es laufen 15 Planungswettbewerbe in Genf und sehr wenige Genfer Architekten machen mit!»Vorbild statt einsame Spitze Als Juror des Hochparterre-Wettbewerbs «Die Besten 2010» beeindruckte mich Pictet mit seiner Suche nach dem Vorbildlichen in den nominierten Projekten. Nicht die einmalige Leistung interessierte ihn, nicht das Spezifische, sondern das Exemplarische, das, was einem Gebäude einen Platz im Alltag einräumt. Eine Haltung, die im eigenartigen Gegensatz zu den Projekten steht, die man von ihm kennt: feine Häuser für die haute voleé von Genf, Villen, Ferienhäuser, Gartenhäuser, gut geformt, schön detailliert, für Auszeichnungen prädestiniert — aber eben nicht alltäglich, nicht exemplarisch, sondern privilegiert. Über welchen Weg der Architekt zu se...
Charles Pictets Welt 
am Genfersee

In welchem Stil sollen wir 
bauen? In jedem, sagt 
Charles Pictet. Er führt uns zu seinen Häusern 
und schildert seinen Weg zum öffentlichen Bauen.

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