Das «Hansjörisch Hus» vor der Zerstörung Fotos: Heimatschutz GR

Blitzabbruch in Vals

Während das Verfahren zum Schutz eines historischen Bauernhauses in der Bündner Gemeinde Vals lief, liess es der Besitzer in einer Blitzaktion abbrechen. Der Heimatschutz prüft eine Strafklage.

Am vergangenen Mittwoch liess der örtliche Steinbruchbesitzer Truffer, ein historisch wertvolles Bauernhaus im Weiler Leis oberhalb von Vals in einer Blitzaktion abbrechen. Damit unterlief er ein vom Kanton eingeleitetes Verfahren zur Unterschutzstellung. Der Bündner Heimatschutz hatte die Regierung zum Erlass einer Schutzverfügung aufgefordert, nachdem anfang 2017 Neubaupläne an Stelle dieses Bauernhauses bekannt wurden.

Die ältesten Teile des historischen Bauernhauses stammten vermutlich aus dem Spätmittelalter.

Das «Oberhus», auch «Hansjörisch Hus» genannte Bauernhaus stammte aus dem frühen 18. Jahrhundert. Darin war noch ausserordentlich viel barocke Substanz erhalten und die Fachleute gehen davon aus, dass die ältesten Teile aus dem Übergang vom Spätmittelalter in die Neuzeit zurückreichten. Das Haus hatte deshalb einen hohen Seltenheitswert und war auch ein wichtiger Zeuge der frühen Besiedelung des Tales. Durch seine exponierte Stellung kam ihm auch im Ortsbild eine hohe Bedeutung zu.

Im Januar 2017 reichte der Eigentümer des damals leerstehenden Hauses, ein Abbruch- und Neubaugesuch ein und legte es im Juni 2018 in leicht modifizierter Form nochmals neu auf. In beiden Fällen reagierte der Heimatschutz mit einer kritischen Stellungnahme. Kritisiert wurde die ortsuntypische Gestalt des Neubaus als steinernes Gebäude inmitten eines von Holzbauten geprägten Ensembles, vor allem aber der drohende Verlust des historischen Gebäudes selbst.

Parallel dazu forderte der Bündner Heimatschutz die Kantonsregierung auf, das Gebäude unter Schutz zu stellen. Der Kanton eröffnete in der Folge das Verfahren für eine vorsorgliche Unterschutzstellung. Gemeinde und Eigentümer bekamen vom Kanton eine verlängerte Frist zur Stellungnahme bis zum 30. November 2018.

In einer Blitzaktion wurde das «Hansjörisch Hus» abgebrochen.

Doch vier Tage vor diesem Termin, am 26. November, bewilligte der Valser Gemeinderat das Baugesuch für den Abbruch und Neubau. Bereits am 28. November 2018 liess der Eigentümer die Bagger auffahren und das Gebäude demolieren.

Der Bündner Heimatschutz prüft nun rechtliche Schritte, denn damit wurde das Verfahren auf Unterschutzstellung kalt unterlaufen und ein Baudenkmal mutwillig zerstört.

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