‹Werk Zwei›-Park in Arbon: Das Holz der Sitzbänke entlang der zubetonierten Gleistrassee erinnert an Bahnschwellen. Fotos: Georg Aerni

Schollenlandschaft auf Industrieboden

Zu den Hasen in Gold, Silber und Bronze kommen je Kategorie zwei Anerkennungen. In der Landschaftsarchitektur ist dies zum einen der ‹Werk Zwei›-Park von Krebs und Herde.

1869 begann Franz Saurer neben dem Bahnhof Arbon mit der Produktion von Strickmaschinen. Ab 1903 wurden am Bodensee auch Lastwagen, später Militärfahrzeuge gebaut. 1920 gingen jeden Tag fast 3000 Arbeiterinnen und Arbeiter durch die Tore dieser Fabrikstadt, 1963 waren es mehr als 4500. 2012 kaufte das Bau- und Immobilienunternehmen HRS die 200 000 Quadratmeter grosse Industriebrache. HRS versprach, eine halbe Milliarde in einen neuen Wohn- und Arbeitsstadtteil zu investieren und gemeinsam mit der Stadt einen 20 000 Quadratmeter grossen Park zu bauen. Die Fertigstellung des neuen Stadtteils wird wohl noch einige Jahre dauern, die erste Etappe des Parks wurde 2018 abgeschlossen. Es ist ein bogenförmiges Freiraumband, das nach Vollendung der zweiten Etappe den Bahnhof mit dem lauschigen Flussraum der Aach verbindet, neue Fuss- und Velowege durch das Areal legt und als Scharnier zwischen den industriehallengrossen Neubauten und den bestehenden Arbeiterhäuschen dient.

Das Parkband führt in einem Bogen vom Bahnhof Arbon zum Flusslauf der Aach.

Weil aufgrund der Altlasten möglichst wenig Terrain abgetragen werden sollte, haben die Landschaftsarchitekten sich für eine ‹Schollenlandschaft auf Industrieboden› entschieden. Sie gliedert sich in drei Stationen: Die erste ist ein urbaner Auftakt in Form einer weiten Asphaltfläche vor dem sorgfältig sanierten Backstein-Fabrikgebäude ‹Hamel› gegenüber dem Bahnhof. Darin sind ovale Kies- und Pflanzflächen eingelegt. Zwischen den wuchtigen Mehrfamilienhäusern wandelt sich der Platz in der zweiten Station in eine ruhigere Passage, in der, je tiefer man in das Areal eindringt, die Kies- immer mehr zu Grüninseln werden. Am Ende öffnet sich die Passage zu einem luftigen Park mit Wasserbecken, Spielwiese und Kinderspielplatz. Die raue Gestaltung nimmt Bezug auf Geschichte und Architektur des Saurer-Areals. Die Bepflanzung besteht aus robusten Pionierpflanzengesellschaften ohne gärtnerische Attitüde – Weiden und Pappeln. Sie sind bewusst schräg gesetzt und zu mehrstämmigen Baumgruppen zusammengefasst. So bauen sie über die kommenden Jahre ein Raumgerüst auf, das die Flächen akzentuiert.

Sanfte Grünkissen ersetzen in der ‹Passage› die rauen Kiesinseln.

Eine weitere Anerkennung ging an die Umgebungsgestaltung Entlisberg II von Schmid Landschaftsarchitekten.

 

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