Das neue Gesicht des Coop-Hochhauses am Gleisfeld in Basel. Fotos: Zeljko Gataric
Im Auftrag von Aepli Metallbau

Modernisierung einer Stilikone

Der Hauptsitz von Coop befindet sich in einem markanten Hochhaus aus den 1970er-Jahren mitten in Basel. Für die Sanierung entwickelte Aepli Metallbau Fassadenelemente mit integrierter Photovoltaik.

Die aussenliegende Betontragstruktur, darin ein Hüllkörper mit kleinteiligen Fensterbändern: Das Coop-Hochhaus in Basel ist ein Zeuge seiner Zeit. Gass + Boss Architekten hatten den markanten Turm 1978 geplant. Seither markiert er unübersehbar die Einfahrt zum Bahnhof. Bei der Sanierung war dem Architekturbüro Burckhardt + Partner das Gleichgewicht zwischen Erhalten und Verändern wichtig, erklärt Marco Husmann, Mitglied der Standortleitung des Büros Basel. Der Gesamtprojektverantwortliche für die Sanierung erklärt: «Gezielt haben wir Bauteile abstrahiert, Elemente feiner gefügt und die Materialvielfalt reduziert.» Die Tragstruktur blieb erhalten und damit auch die darin steckende graue Energie: das grosse Plus dieser Sanierung für den Klimaschutz.


Liegende Glasfelder verleihen dem Fassadenbild Ruhe.

Die engen Fensterreihen sind dagegen Vergangenheit. Glasfelder im liegenden Format, von aussen rahmenlos, ersetzen sie und verleihen dem Fassadenbild eine neue Ruhe. Sie schaffen eine horizontale Linie. Auch innen ist die Veränderung eindrücklich: Die riesigen Gläser erhellen die grosszügig geöffneten Räume bis tief in die Geschosse hinein und bieten freie Sicht auf die Stadt und das Umland. «Die umfassende technische Erneuerung der Gebäudehülle sollte sichtbar sein, wir haben keinen rein restauratorischen Ansatz verfolgt», sagt Marco Husmann. «Die plane neue Doppelfassade unterscheidet sich deutlich von der vierzig Jahre alten Vorgängerkonstruktion. Die mittlerweile stumpf gewordenen Alukofferbrüstungen wurden durch Mattglas-Photovoltaikelemente ersetzt.» So blieb das Wechselspiel von opaken Brüstungsbändern und Fenstern erhalten, wenn auch in komplett neuem Format. «Schon früh im Entwurfsprozess hat uns Aepli Metallbau massgebend unterstützt. Gemeinsam ist uns die integrale Entwicklung einer Lösung gelungen, die technisch, gestalterisch und ökonomisch überzeugt.»


Mattglas-Photovoltaikelemente und Fenster wechseln sich ab.

Dabei handelt es sich um die erste verbaute Kombination von zwei Dritteln Aepli-Air-Control-Elementen und einem Drittel Photovoltaikmodulen. Sowohl für die Dämmung als auch für den Schallschutz weisen die vorgefertigten Aepli-Air-Control-Elemente überdurchschnittliche Werte auf. Zudem ist die Beschattung eingebaut und damit vor Wind geschützt. Die Photovoltaikelemente fallen dank der satinierten und bedruckten Glasoberfläche optisch nicht auf – wer nichts davon weiss, erkennt sie auch aus der Nähe kaum. Damit passt die Sanierung in die laufende architektonische Entwicklung: Photovoltaikmodule werden selbstverständlich, und man zeigt sie nicht mehr unbedingt her – was im Umkehrschluss voraussetzt, dass sie architektonisch gekonnt integriert sind. «Wir haben viel Aufwand investiert, um gestalterische mit technischen und nachhaltigen Ansprüchen zu vereinen», bilanziert Marco Husmann.

Produziert und montiert hat die Fassade Aepli Metallbau. Die Ostschweizer Firma ist spezialisiert auf Grossprojekte und damit auf Prototypen: «Wir gehen von Grund auf neu an jedes Projekt heran und entwickeln die Elemente vom Profil über die Dichtung bis zu den Gläsern gemeinsam mit den Planerinnen», sagt Christian Löpfe, der die Sanierung des Coop-Hochhauses bei Aepli geleitet hat. So wurde es möglich, die Photovoltaikmodule direkt zwischen dem darüber und dem darunter anschliessenden Closed-Cavity-Element einzuhängen. «Diese Sonderentwicklung machte es überflüssig, die Isolation zu durchdringen, was den Wärmedämmwert der Fassade positiv beeinflusst. Zudem konnten wir die Montagezeit und die Kosten verringern», sagt Löpfe. Das war ein grosser Vorteil, denn das Hochhaus wurde unter laufendem Betrieb saniert und umgebaut – und zwar von oben nach unten. Dazu nutzte Aepli Metallbau Mastkletterbühnen anstelle konventioneller Gerüste. Der Turm wurde in vier Etappen von je drei bis vier Stockwerken aufgeteilt. Die Mitarbeitenden im Haus hatten mehrere Rochaden und Umzüge zu bewältigen.


Die Stilikone der 1970er-Jahre wird den heutigen Massstäben gestalterisch und energetisch gerecht.

Die Arbeiten waren herausfordernd, doch man erreichte jedes Etappenziel: «Die Zusammenarbeit unter den beteiligten Firmen hat trotz Termindruck wie ein Uhrwerk funktioniert», blickt Christian Löpfe zurück. Und die Stilikone der 1970er-Jahre hat ein Kleid bekommen, das gestalterisch und energetisch den heutigen Massstäben gerecht wird: Der Heizenergieverbrauch des Gebäudes liegt um dreissig Prozent tiefer, und die Fassade liefert zehn Prozent des Strombedarfs – das zweite Plus der Sanierung.

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Kommentare

Andreas Konrad 09.08.2021 23:03
Der speckige, ein wenig grob gezeichnete « Klassiker » wurde fein veredelt. Weniger schön : Das Annexgebäude im trüben Waschbeton gehört ebenso überholt - er macht neben dem rausgeputzten Mocken jetzt eine noch unpassendere Figur.
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Ich kann das Bild nicht lesen