Familie, Freunde, Studienkollegen – alle helfen mit beim Diplom. Und stehen auf dem gelben Zettel.

With a little help from my friends

Nach sechs Wochen Ausstellung räumen die frisch diplomierten ETH-Architekten die Präsentationskojen ihrer Masterarbeiten. Entstanden sind diese meist mit einem umfangreichen Helferstab.

Vorsichtig werden sie diese Woche wieder abgebaut: Die Masterarbeiten der Architekturstudierenden der ETH Zürich. Nach knapp sechs Wochen Ausstellung werden Pläne eingerollt, Modelle eingepackt und Stellwände weggetragen. Auch die gelben Zettel verschwinden, die inmitten der meist schlicht und farblos gehaltenen Präsentationen ins Auge gesprungen waren. «Anhang 1» heisst es dort, «Urheberzeugnis für Masterarbeit HS13».

Doch der Urheber ist kaum zu finden: Bis zu siebzehn Namen drängen sich da zum Teil auf das Blatt. Auffällige Wiederholungen von Nachnamen lassen auf ein Einspannen des Familienclans schliessen. Daneben sind es Freunde, aktuelle und vor allem ehemalige Studienkollegen, deren Namen sich auf der Liste finden. Im Laufe der Studienzeit hilft man mal hier, mal da, um für die Zukunft ausgesorgt zu haben. Der Helferkult ist omnipräsent.

Wie im späteren Berufsleben wird in den letzten Wochen vor Abschluss vor allem eins: delegiert. Der Masterstudent sammelt Helfer zusammen, konzipiert Zeitpläne, verteilt Aufgaben. Beeindruckende Abgaben finden sich unter den Masterarbeiten der ETH-Studierenden: bis ins Kleinste detaillierte Modelle und Modellfotos, präzise ausgearbeitete Zeichnungen und Projektbücher. Das ein oder andere Objekt ist sogar an die Stellwand gekettet, zu wertvoll sind Zeit und Arbeit, die dahinter stecken. Viele Studierende können stolz auf ihre Abgaben sein.

Und doch: IHRE Abgaben? «Mit meiner Unterschrift bestätige ich, dass dieser Entwurf von mir allein erarbeitet wurde», steht auf dem gelben Zettel. Und dann: «Folgende Personen haben mir bei den Ausführungsarbeiten geholfen». Unterschieden wird also zwischen Entwurfs- und Ausführungsarbeit, wie im Berufsleben auch. Doch beinhalten die «Ausführungsarbeiten» an einer Hochschule nicht auch ein Stück weit den Entwurf? Am Ende des Zettels dann noch der Appell an die Studierenden, keine bezahlte Mithilfe beizuziehen. Verboten wird es allerdings nicht.

Der gelbe Zettel wird vom Departement für Architektur herausgegeben. Ihn zu unterzeichnen ist Pflicht. Dass Hilfe für den Abschluss der Masterarbeit zu benötigen nicht nur toleriert, sondern erwünscht ist, fast sogar schon erwartet wird, ist somit offiziell. So manchem Studenten gibt es das Gefühl, dass die Arbeit gar nicht alleine zu bewältigen ist und setzt diesen noch mehr unter Druck. Doch wer ist schuld an der Misere? Sind es die Professoren und Assistenten, die zu viel verlangen? Oder die Studierenden selbst, die sich gegenseitig zu noch mehr Leistung antreiben? Irgendwann wird es wohl angefangen haben, mit jemandem, der einen Helfer und ein Modell mehr hatte, dann vielleicht zwei Helfer, zwei Modelle und schliesslich: siebzehn Helfer, siebzehn... Modelle? Wo ist die Grenze? Wie viele Helfer halten das Mass, wie viele sprengen es? Sollte es überhaupt Helfer geben – oder nicht?

Was uns der gelbe Zettel schliesslich auch zeigt: Hilfe anzubieten und Hilfe anzunehmen hat unter den Architekturstudierenden der ETH Zürich eine gewisse Selbstverständlichkeit. Und das ist, wenn diese Hilfe massvoll bleibt, doch irgendwie auch schön.

 

 

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