«Die letzte Chance ist vertan»

Der Ersatzneubau der Wohnsiedlung Bergacker in Zürich-Affoltern ist umstritten. Im Vorfeld des Studienauftrags, der nun entschieden ist, war die Siedlung Gegenstand eines Flugblatts von Abrissgegner:innen.

Der Ersatzneubau der Wohnsiedlung Bergacker in Zürich-Affoltern ist umstritten. Im Vorfeld des Studienauftrags, der nun entschieden ist, war die Siedlung Gegenstand eines Flugblatts von Abrissgegner:innen.

7. November 2022, Zentrum Architektur Zürich Das Haus ist brechend voll. Viele junge Architekt*innen sind da, es herrscht Aufbruchstimmung. Zur Diskussion steht das ‹Beispiel Bergacker›: eine Wohnsiedlung in Zürich-Affoltern, die exemplarisch für viele Siedlungen der 1950er-Jahre steht. Stand Testplanung soll die Siedlung Bergacker einem Ersatzneubau weichen. Doch die Organisator*innen des Abends haben andere Vorstellungen: «Die  Zukunft beginnt im Bestand» steht auf einem Flugblatt, das sie einen Monat zuvor veröffentlicht haben. Diskutieren wollen sie zwei «gesellschaftlich drängende Probleme» von Ersatzneubauten. Erstens: «Bezahlbarer Wohnraum geht verloren – ganze Bevölkerungsgruppen werden aus der Stadt verdrängt. Es entsteht eine soziale Segregation und ein Verlust von städtischer Diversität.» Und zweitens: «Gleichzeitig wird mit dem Abriss und energieintensiven Neubauten graue Energie verursacht, was angesichts des bereits aufgebrauchten CO2-Budgets der Schweiz gemäss Pariser Klimaabkommen nicht mehr vertretbar ist.» ###Media_2### Am Flugblatt beteiligt sind der Mieterinnen- und Mieterverband Zürich, das baubüro in situ, die Urban Equipe und Architekturstudierende der ETH Zürich. Im ZAZ vertreten sind auch die Eigentümerinnen des Bergackers: die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Habitat 8000 und die Swiss Life. Es ist nicht zu erwarten, dass der Abend den Ersatzneubau kippt. Aber der Bergacker bietet viel Projektionsfläche für alternative Szenarien. Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband macht den Anfang: «Wir brauchen dringend ein Pilotprojekt. Demnächst, bevor alle Siedlungen dieser Zeit abgebrochen sind.» Dann präsentieren die Architekturstudenten Rémi Jourdan und Philip Kaiser ihre Arbeit. Sie haben die 1954 erbaute Siedlung sorgfältig dokumentiert, analysiert und vier Szenarien verglichen: Sanierung, Aufstockung, Anbau, Ers...

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