«Döschwo des Schulhausbaus»: Grundriss 2. Obergeschoss

Der Sparzwang treibt Blüten

Schneider Studer Primas reagieren mit einem radikalen Vorschlag auf die rigiden Kostenvorgaben beim Schulhaus Wallrüti in Winterthur. «Auf die Idee muss man erst einmal kommen», schreibt Marcel Bächtiger in seinem Kommentar.

Wie ist es möglich, ein Schulhaus zu planen, das in der Verhältnisberechnung zwischen Geschossfläche und Hauptnutzfläche den sagenhaften Wert von 1.12 erreicht? Es geht ganz einfach: man baut nur die Schulzimmer und verlagert alles andere – Gemeinschaftsflächen und Erschliessung – ins Aussenklima. Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Eine solche Idee braucht aber auch einen Anlass, und dieser nannte sich im vorliegenden Fall «Design-to-cost-Lösung»: Für den Ersatzneubau des Klassentrakts der Schulanlage Wallrüti in Winterthur waren – bei 28 Schulzimmer und Gruppenräumen, Bibliothek und Lehrpersonenbereich maximale Kosten von 19 Millionen Franken vorgegeben (weitere 11.5 Millionen stehen für die Erneuerung der bestehenden Anlage zur Verfügung). Vom radikalen Vorschlag des Architekturbüros Schneider Studer Primas – einer dreigeschossigen, kompaktestens organisierten Kiste mit blumenartig umlaufenden Terrassen – zeigte sich die Jury geradezu «begeistert»: Sparen werde hier nicht als Verzicht, sondern als Einladung für neue Ideen verstanden; ein «Döschwo des Schulhausbaus», ja sogar ein «Centre Pompidou» für Wallrüti zeichne sich am Horizont ab. Die gleichzeitig nüchterne und verspielte Konsequenz, mit der Schneider Studer Primas auf die rigiden finanziellen Vorgaben reagieren und daraus einen neuen Typ Schulhaus entwickeln, ist fraglos bemerkenswert. Ebenso bemerkenswert ist freilich, wie grosszügig die Jury die Defizite des Projekts in Kauf nimmt. Neben der umlaufenden Erschliessung, die unweigerlich Einsichts- und Belichtungsprobleme nach sich zieht, ist dies vor allem die komplette Absenz geschützter Gemeinschafts- und Schwellenräume. Frische Luft nach jeder Lektion und Schulzimmer, deren Türen direkt nach draussen führen? Eine schöne Vorstellung im Sommer, eine recht garstige bei Regen, Wind und Schnee. Für die Jury paart das Projekt ...
Der Sparzwang treibt Blüten

Schneider Studer Primas reagieren mit einem radikalen Vorschlag auf die rigiden Kostenvorgaben beim Schulhaus Wallrüti in Winterthur. «Auf die Idee muss man erst einmal kommen», schreibt Marcel Bächtiger in seinem Kommentar.

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