Seit 2013 ist der Anteil offener Projektwettbewerbe von 42% auf 26% gesunken.

Die Datenkrake zum Offenen Wettbewerb

Der Blick zurück zeigt: Die selektiven Verfahren legen zu, die offenen nehmen kontinuierlich ab. 2019 könnte es noch dramatischer werden. Nur 19 offene Projektwettbewerbe sind bisher ausgeschrieben.

Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen leicht entspannt, bleibt aber ernst. Bis heute zählen wir für 2019 nur 19 offene Projektwettbewerbe: in der Deutschschweiz elf, in der Romandie sechs und im Tessin zwei. Ginge es so weiter, wären bis Ende Jahr hochgerechnet 45 Wettbewerbe offen ausgeschrieben worden. Das entspräche einem weiteren Minus von 12 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr, in dem die Auslober noch 51 offene Wettbewerbe ausgeschrieben haben.

Weniger offen, mehr selektiv

Laut aktuellen Zahlen, die konkurado.ch im Auftrag von hochparterre.wettbewerbe zusammengetragen hat, gab es 2013 noch 86 offene Projektwettbewerbe. Deren Zahl ist kontinuierlich gesunken und hat sich in den letzten drei Jahren bei etwa 50 pro Jahr eingependelt. Bemerkenswert: Die durchgeführten Wettbewerbe haben nicht abgenommen. Es sind die Präqualifikationen, die deutlich zugenommen haben: Waren es 2013 noch 108 selektive Verfahren, zählen wir für das letzte Jahr 144, also 33 % mehr.

Innovationshemmend

Laut diesen Zahlen droht der offene Projektwettbewerb bedeutungslos zu werden oder sogar ganz zu verschwinden. Je weniger die Wettbewerbe offen sind, umso mehr überrennen die Architekten den Veranstalter, der sich noch für ein offenes Verfahren entscheidet – ein Teufelskreis. In einer offenen, demokratischen Gesellschaft aber ist nichts schlimmer, als wenn die öffentliche Hand den Zugang zum Markt für einen grossen Teil der Leistungswilligen einschränkt.

Dieser Artikel enstand in Zusammenarbeit mit konkurado.ch und stammt aus der Publikation hochparterre.wettbewerbe 2/2019. Die Zahlen wurden am 28. Mai 2019 aktualisiert.

Kommentare

Ulrich Raeber 28.05.2019 13:34
In Anbetracht des hohen Aufwands fuer die so zahlreichen Teilnehmer und deren geringe Erfolgsquote bei oeffentlichen, allgemein zugaenglichen Wettbewerben ist aus wirtschaftlichen Gruenden die Zunahme der selektiven Wettbewerbe mit Praequifikation sinn voll und m.e. zu unterstuetzen
Max Steiger 28.05.2019 14:35
selektive Wettbewerbe die Einschränkung - mit der Forderung nach Erfahrung mit den gestellten Aufgaben - führt zu einen Kreislauf mit immer den gleichen Teilnehmern. Qualität sollte das Auswahlkriterium sein. Zudem würde eine Öffnung aller Wettbewerbe zu einer besseren Verteilung und weniger Teilnehmern führen.
Eichenberger 28.05.2019 21:18
Leider organisieren gewisse Kantone praktisch keine offenen Wettbewerbe. Das heisst vor allem für junge Büros praktisch einen generellen Ausschluss. Ich bin nicht sicher ob dies der richtige Weg zu einer innovativen hochstehenden Architektur ist. Bei "selektiven" und "eingeladenen" Wettbewerben werden meistens die gleichen und gestandenen Büros berücksichtigt - Vielfalt entsteht da nicht unbedingt
Klaus 29.05.2019 08:33
@Raeber, wer keine offenen Wettbewerbe gewinnen kann, schaffts auch bei den selektiven Wettbewerben nicht. Etwas Qualität im Entwurf muss schon sein.
Barbara Schneider 29.05.2019 16:58
Je komplexer die Aufgabe, desto sinnvoller der offene Wettbewerb, weil das Potenzial des Areals breiter ausgelotet wird – irgendjemand fällt immer die beste, einfachste und für die konkrete Aufgabe passendste Lösung ein.
Ivo Bösch 30.05.2019 18:00
@Ulrich Raeber Uns fällt auf, wer sich über den hohen Aufwand für die Architekten beklagt, ist meist selbst kein Architekt. Darum interessiert mich, was Sie von Beruf sind und falls Architekt, ob Sie ein Architekturbüro führen? Den Architekten ist der offene Zugang zu den Verfahren wichtiger, als der Aufwand, den sie zu viel machen.
Andreas Konrad 30.05.2019 18:39
Nicht die Art des Wettbewerbs ist entscheidend, sondern die Zusammenstellung der Fach - und Sachjury . Da tingeln die immergleichen Leute durch die Beratung , und fachfremde Entscheider , also Künstler , Schreiner , Historiker , Wissenschaftler usw . sind in der Schweiz , anders als in anderen Ländern , eigentlich kaum anzutreffen . Dabei würden gerade sie zur Offenheit und Bereicherung in Wettbewerbsdiskussionen beitragen . Ausserdem . 4 Leute pro Jury genügen . Alles darüber führt zum Brei und zum schwafligen Zerreden .
Ulrich Raeber 30.05.2019 21:44
@ivo boesch. zufaelligerweise bin ich selbst auch architekt und leitete ueber jahre mein eigenes, groesseres architektur- und planungsunternehmen. dabei nahm ich an zahlreichen wettbewerben als architekt teil, bereitete aber auch viele wettbewerbe vor und war oft auch jurymitglied. letztlich ist die art des wettbewerbes untergeordnet, solange der auftraggeber am schluss die qualitativ beste loesung - und das bestgeeigneste team zur implementation erhaelt.
David Bühler 03.06.2019 00:06
@Ulrich Raeber. Ihre Aussage, dass sie ein mittlerweise grösseres Büro leiten, wirkt als würden Sie das Präqualifikationsverfahren nur deshalb befürworten, weil es Ihre eigene Position festigt und andere daran hindert dorthin zu kommen, wo Sie sich bereits befinden. Denn gerade für junge Architekten (wie mich selbst) ist der Zugang zu offenen Wettbewerben elementar (vorausgesetzt man hat gerade keine reichen Verwandten etc. die bauen wollen) um zumindest eine marginale Chance zu haben, jemals in Ihre Position zu kommen. Diese Denkweise ist weder der Qualität und Innovation in der Architektur zuträglich, noch hilft sie der Entwicklung der nachfolgenden Generation an Berufsleuten.
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