Das zusätziche Regelgeschoss schafft Platz für überhohe Räume: Siegerprojekt von Bob Gysin + Partner BGP. Fotos: Bob Gysin + Partner BGP

Das tiefergelegte Haus

Das Siegerprojekt für die Wohnsiedlung Hardturm schafft dank dem «Zürcher Untergeschoss» mehr Raum. Laut den Architekten ist dies gängige Praxis. Warum kamen die anderen Büros nicht auf die Idee?

Bob Gysin + Partner BGP gewinnen den Wettbewerb für die Wohnsiedlung Hardturm unter anderem, weil sie das Eingangsgeschoss teilweise im Boden eingraben. Dies erlaubt den Verfassern, ein Regelgeschoss mehr als die meisten anderen rangierten Büros zu zeichnen. Möglich ist dies dank dem sogenannten «Zürcher Untergeschoss», das Hochparterre in einem Kommentar als juristische Spitzfindigkeit bezeichnete. BGP weist jedoch darauf hin, dass dies «gängige Praxis» sei. «Bereits während der Wettbewerbsphase haben wir mit dem Amt für Baubewilligungen abgeklärt, dass ein anrechenbares Untergeschoss möglich ist», sagt Franz Aeschbach, Architekt bei BGP. «Dies wurde auch in der Weiterarbeit bestätigt.» Dank dem «Zürcher Untergeschoss» schaffen BGP Platz für überhohe Räume, deren Luxus die Jury allerdings in Frage stellt. Der Architekt meint dazu: «Die Grundrisse bieten mit und ohne Luftraum eine hohe Wohnqualität.» Für Urs Spinner vom Hochbaudepartement der Stadt ist klar: «Das Projekt ist bewilligungsfähig.»

Es stellt sich die Frage: Warum haben mit einer Ausnahme alle anderen rangierten Projekte nur sechs statt sieben Regelgeschosse? Die Teilnehmer kennen das Zürcher Baurecht, vier von ihnen haben ihr Büro sogar in der Limmatstadt. Offenbar war die baurechtliche Situation unklar, wie die Fragenbeantwortung im Wettbewerb zeigt. Auf die Frage, ob das Untergeschoss auf Erdgeschossniveau zu liegen kommen könne, heisst es: «Wenn ein Geschoss auf dem Erdgeschossniveau von 401.10 m.ü.M. zu liegen kommt, kann es aufgrund von § 275 Abs. 3 PBG rechtlich nicht als Untergeschoss qualifiziert werden.» Diese Aussage legt den Schluss nahe, dass ein «Zürcher Untergeschoss» unmöglich ist. Gleichwohl schliesst die Stadt dies nicht explizit aus. Indem sie nicht deutlich kommunizierte, sorgte sie für unnötige Unsicherheit im Wettbewerb.

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