Die Praxis: Formen von Ton. Fotos: Gianfranco Rossetti
In Zusammenarbeit mit ZZ Wancor

Hand am Material

In der neuen Veranstaltungsreihe ‹Werkstatt› der Schweizer Baumuster-Centrale legen Architekten Hand ans Material. Gestern lud der Zielgelproduzent ZZ Wancor zum Formen von Ton.

Handwerk wird neu entdeckt, schrieb die «NZZ» diese Woche und weiss Richard Sennet seit zehn Jahren (siehe Hochparterre 5/2008). Handwerk und drum ‹Werkstatt› gab es gestern auch in der Schweizer Baumuster-Centrale Zürich, ein neues Format, zum ersten Mal. Eingeladen hatte der Zielgelproduzent ZZ Wancor mit dem Versprechen «Arbeiten am Ziegelrohling». 24 Architektinnen und Architekten liessen sich darauf ein und fanden sich nach Feierabend um Werkbänke versammelt, vor sich ein Rechteck aus feuchtem Ton, ungebrannt und drum plastisch.

Dass sie auch Handwerker sind, bewiesen die Gäste mit Bürsten, Seilen und Steinen, Fussmatten, Spachtel und Hämmern. Aus den Rohlingen entstanden Unikate. «Am Anfang haben die Leute eher dekorativ gearbeitet. Mit der Zeit entstanden aber immer mehr Ziegel, die ich auch im Verbund einer Fassade wirken», bilanzierte Martin Schmidlin. Der Keramiker und Betriebsleiter des Dachziegelwerks Laufen hatte das Publikum mit einer Lektion Theorie auf den praktischen Teil vorbereitet.

«Eine Geschichte, die vor 180 Millionen Jahren begann, in dreissig Minuten erzählt», hiess sein Programm zum Rohstoff. 8000 bis 9000 Jahre dauere es bis sich eine dreissig Meter dicke Tonschicht bilden kann. In der Schweiz ist diese Schicht bei der Alpenfaltung an die Oberfläche gekommen. In Deutschland, wo Europas grösste Vorkommnisse bestehen, liegt sie tiefer. Der mineralische Rohstoff ist dort nicht gleich zusammengesetzt, er wird anders verarbeitet und bringt unterschiedliche Produkte hervor. Glasuren seien in Deutschland beliebt, in der Schweiz fast gar nicht gefragt. Das Publikum lernte, wie aus dem Rohstoff ein Ziegel wird und wie dieser seine Form erhält. Giessen, Pressen und Extrudieren heissen die wichtigsten Verfahren. Der Ofen ist 130 Meter lang, 1020 Grad heiss, der Ablauf genau getaktet.

Gleich zu Beginn hatte Roman Knuchel, Produktmanager bei ZZ Wancor, das neuste Produkt im Repertoire vorgestellt. Mit dem Fassadenziegel ‹Urban› lassen sich vorgehängte, hinterlüftete Fassaden bauen, er funktioniert ohne Wärmebrücke, ist UV- und wasserbeständig. Er kann auf der Baustelle konfiguriert werden, ist schnell montiert, einfach ausgetauscht und auf den Architektenwunsch anpassbar.

So vorbereitet konnten die Feierabendhandwerker kaum ihre Hände vom Material lassen. Erst Pizza, Weisswein und Bier trennte sie davon. Die gesammelten Werke werden nun in Laufen gebrannt. Die Handwerkerinnen und Handwerker können sie in den kommenden Wochen in der Baumuster-Centrale abholen. Dann zeigt sich, welche künstlerischen Umsetzungen sich auch nach dem Brennprozess bewähren.

Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen und Institutionen des Werkplatzes Schweiz.

Kommentare

Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen