Ausgewogene Volumen: Die Pendelleuchten betonen den sieben Meter hohe Säulengang des neuen Hochhaues auf dem ehemaligen Hero-Areal in Lenzburg. Sie dominieren ihn aber nicht. Fotos: Tulux
In Zusammenarbeit mit Tulux

Grossstädtisches Licht

Dreizehn Pendelleuchten zieren und beleuchten die Kolonnaden des neuen Hochhauses auf dem Hero-Areal in Lenzburg. Die Architekten haben sie zusammen mit Tulux speziell für ihren hohen Säulengang entwickelt.

Auf dem ehemaligen Hero-Areal in Lenzburg ist ein neues Quartier entstanden. Auf dem 61‘500 Quadratmeter grossen Industrieareal gleich hinter dem Bahnhof wurden innert weniger Jahre rund 500 Wohnungen und 20‘000 Quadratmeter Büro-, Gewerbe- und Verkaufsflächen gebaut. Dank Bahnhofsnähe und energieeffizienter Bauweise gehört der neue Stadtteil, von dem aus Hero Konserven in praktisch jeden Schweizer Haushalt lieferte, zum schweizweit dritten zertifizierten «2000-Watt-Areal». Weit herum sichtbares Zeichen fürs neue Quartier ist die 11-geschossige Hochhausscheibe «Im Puls», die einseitig an die ehemalige Spenglerei angebaut ist. Das Ensemble fasst zusammen mit seinen Nachbarbauten einen neuen gegen die Bahn hin offenen Platz. Er bildet den stadträumlichen Auftakt ins neue Quartier wird heute aber vor allem als profane Vorfahrt für den Bahnhof verwendet.

Glühender Hausschmuck: Nachts spiegeln sich die Leuchten in der Metallverkleidung.

Die einzelne Leuchte setzt sich aus zwei polygonalen, becherförmigen Elementen zusammen, die – aufeinandergestellt – in der Mitte zusammengeschraubt wurden.

Die sieben Meter hohen Kolonnaden rund ums überhohe Erdgeschoss des Hochhauses von Dachtler Partner Architekten betonen die städtebauliche Wichtigkeit des Platzes. Sie rufen: Hier ist nicht irgendein Quartier, sondern ein neues urbanes Stück Stadt entstanden. Die mächtige Säulenreihe schafft einen monumentalen Zwischenraum, der zwischen öffentlichem Platz und privatem Zugang vermittelt. Seine öffentliche Ausstrahlung war denn auch der Grund, wieso die Behörden höhere Anforderungen an seine Beleuchtung stellten. Bei der Recherche wurde den Architekten schnell klar, dass weder ein herkömmlicher Spot reichen würde, die Kolonnaden ausreichend auszuleuchten noch dass sie eine Standardleuchte finden würden, die in Dimension und Gestaltung ihren Wünschen entsprach. Sie nutzten die Gelegenheit für einen eigenen, speziell auf die Architektur zugeschnittenen Entwurf. Die Architekten entwarfen eine elegante Pendelleuchte, die den hohen Raum besetzt aber nicht dominiert. Ihr über 1.2 Meter hoher Leuchtkörper ist tropfenförmig, nur hat er – wie das Haus – klare Ecken und Kanten. Er hängt in der oberen Hälfte der Kollonaden jeweils mittig zwischen zwei Pfeilern. So betont er die Raumhöhe noch einmal. Seine Dimensionen und die Länge des Pendels haben die Architekten erst skizziert, dann am Computer modelliert.

Opale Acrylgläser sind in die insgesamt 26 schlanken «Fenster» eingelegt. Sie schützen den stabförmigen LED-Leuchteneinsatz im Inneren vor Wind und Wetter.

In der Aufsicht erinnert die Form der Leuchte an einen Weihnachtsstern.

Mit dem Entwurf sind Dachtler Partner zu Tulux gegangen. Der Leuchtenhersteller aus Tuggen (SZ), der über eine langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Sonderleuchten hat, hat die Pläne geprüft und damit einen Protoypen gebaut. So liessen die Konstrukteure in den Entwicklungs- und Fertigungshallen am oberen Zürichsee die zweidimensionalen Pläne dreidimensionale Form werden: Zuerst entwickelte das Familienunternehmen eine Lösung für die konstruktive Umsetzung, dann schweissten sie den vieleckigen Leuchtkörper aus Metall-Formteilen mit abgekanteten Ecken zusammen. Er setzt sich aus zwei polygonalen, becherförmigen Elementen zusammen, die – aufeinandergestellt – in der Mitte zusammengeschraubt werden. Opale Acrylgläser sind in die 26 schlanken «Fenster» eingelegt. Sie schützen den stabförmigen LED-Leuchteneinsatz im Inneren vor Wind und Wetter, gleichzeitig streuen sie das Licht neutralweiss und gleichmässig in alle Richtungen.

Gegenüber dem Prototyp veränderte sich die 85 Kilogramm schwere seriengefertigte Leuchte nur geringfügig: Berechnungen ergaben, dass es drei statt nur zwei Stäbe braucht, um die Pendelleuchte auch bei heftigen Winden an der Decke zu halten.

In den Kolonnaden aufgehängt, soll der Prototyp die Bauherrschaft von der Notwendigkeit einer Speziallösung überzeugen. Weil die Architekten sich das Haus ohne ihre Leuchte nicht vorstellen wollten, trugen sie sogar die Kosten für die Entwicklung und Realisierung des Prototyps. Nach dem Ortstermin, an dem die Musterleuchte von Vertretern der Bauherrschaft und der Stadt auf ihre aussenräumliche Wirkung und Leuchtqualität beurteilt wurde, bekamen die Architekten und Tulux grünes Licht für die Realisierung weiterer 12 Leuchten. Vorgängige Offertrunden für einfachere geometrische Formen zeigten, dass die von den Architekten vorgeschlagene vielkantige Form nicht massgeblich teurer war. Gegenüber dem Prototyp veränderte sich die 85 Kilogramm schwere seriengefertigte Leuchte nur geringfügig: Berechnungen ergaben, dass es drei statt nur zwei Stäbe braucht, um die Pendelleuchte auch bei heftigen Winden an der Decke zu halten.

Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen und Institutionen des Werkplatzes Schweiz.

Kommentare

Andreas Konrad 12.06.2019 19:46
Die eleganten Leuchten adeln den wunderbaren Turm, der wiederum das Baugebiet adelt. Leider ist das Hochhaus der einzige Glanzpunkt : Im Eifer des Energiesparens hat man die Gestaltung der restlichen Blöcke entweder Beamten überlassen oder hat sie sonstwie vergessen . Trostlose Wegwerfkisten mit dicken Fenstern und glatten Fassaden . Der öde Mief der Nachkriegsmoderne macht sich breit. Gut für den Turm : Er glänzt in diesem agglomeriten Müll umso mehr .
Miyuki Bucher 14.06.2019 10:01
Vielen Dank für den Bericht.
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