Die 14 Wohnparteien an der Felsenrainstrasse 82 werden vom Kunst und Bau-Wettbewerb für ihr Wohnhaus nicht mehr profitieren als die restlichen 2700 Genossenschafts-Mitglieder. Fotos: Paco Carrascosa

Mit Wohnungen spielt man nicht!

Roland Roos polarisiert mit seinem Kunst+Bau-Beitrag für die «Wogeno»-Siedlung in Seebach: Mit den 40000 Franken Preisgeld mietet er eine Wohnung in der Stadt Zürich, richtet sie nach einer fiktiven Persönlichkeit ein und stellt sie anschliessend allen «Wogeno»-Mitgliedern zur Verfügung, bis das Preisgeld aufgebraucht ist.

«Mit Wohnungen spielt man nicht!» Was wie eine politische Parole gegen Wohnungsspekulation daherkommt, ist eine Reaktion auf das Siegerprojekt des Kunst und Bau-Wettbewerbs der Genossenschaft «Wogeno» für einen Ersatzneubau in Zürich Seebach von Hunkeler Hürzeler Architekten. Angesichts der Wohnungsknappheit in Zürich kann man die Intervention durchaus als Provokation auffassen: Mit dem gesprochenen Preisgeld von 40000 Franken mietet er eine Wohnung in der Stadt Zürich, richtet diese nach einer fiktiven Persönlichkeit ein, und stellt sie anschliessend allen «Wogeno»-Mitgliedern solange als Ferienwohnung oder Rückzugsort zur Verfügung, bis das Preisgeld aufgebraucht ist. Der Ersatzneubau selbst wird dabei lediglich als Bild an der Wand der Mietwohnung eine Rolle spielen. 
Dem Perspektivenwechsel und dem Abtauchen in fremde Lebenswelten geht nun erst die Wohnungssuche voran, die zentrales Thema der Arbeit ist. Die Ausgangslage präsentiert sich dabei ungewöhnlich, da das Budget für einmal nicht den Mietpreis diktiert, sondern lediglich die Mietdauer beeinflusst. Seit Beginn der Wohnungssuche Mitte Dezember hat Roos auf seine Bewerbungen schon so manch empörte Antwort erhalten von Vermietern, die hinter der Idee ein verantwortungsloses Spiel im Kleide der Kunst sahen. Mit steigenden Mietpreisen werden also nicht nur die Chancen auf einen Mietvertrag für die ungewöhnliche Nutzung steigen, sondern wohl auch die moralischen Bedenken sinken, dass preiswerter Wohnraum «verspielt» wird. Ob für Roos selbst etwas herausschaut, hängt vom Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer ab – die Kaution soll das Künstlerhonorar sein.

Kommentare

Schoebi 10.05.2016 18:39
Viereinhalb Stunden nachdem die Wogeno ihre Mitglieder informiert hat, sind praktisch alle Daten ausgebucht bis ins nächste Jahr hinein. Wird hier irgendwie kontrolliert, dass nicht dieselbe Person die Wohnung über längere Zeit beansprucht?
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Ich kann das Bild nicht lesen