Der Urschleim von ‹Symbiotic Seeing›, erzeugt von blauem und gelben Laserstrahlen, Nebel und einer Lüftungsanlage. Fotos: Franca Candrian

Ab in die Ursuppe!

Olafur Eliassons Ausstellungen sensibilisieren rund um den Globus unsere Wahrnehmung von Natur und wie wir sie zerstören. Für Symbiose statt Auslese plädiert seine neue, sinnliche Installation in Zürich.

Der Raum riecht. Nicht unangenehm, sondern eher wie früher in der Disko. Es zischt. Kunstnebel kommt aus einer Düse und Laser schneiden eine flache Lichtdecke in den 400 Quadratmeter grossen, ansonsten düsteren Saal. Die Oberfläche wabert grünlich. Ihr marmoriertes Muster scheint zu leben. Es breitet sich ölig aus, strömt oder kringelt sich wie ein Taifun über dem Pazifik – eine Wetterkarte im Jahr 2050. Ein leicht unheilschwangerer Ton kriecht ins Ohr. Er kommt, sehen wir am Ende der Ausstellung, von einem Cello spielenden Roboterarm, ein Klang, den eine Komponistin mitentwickelt hat. Das Licht, die Farbtöne, der Klang, die Dicke der Luft: alles ‹wie unter Wasser› hier. Die Oberfläche über uns wirbelt, wenn wir gehen. Und wenn wir stehen, ‹öffnet› sie sich durch unsere aufsteigende Wärme und hoch oben sehen wir die dunkle Decke des Bührle-Saals. Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson lebt in Berlin. Nach seiner letztjährigen Retrospektive in der Londoner Tate hat er in Zürich nun das geschaffen, was die Kunstwelt eine «immersive Installation» nennt, einen atmosphärischen Raum, in den die Besucherin eintaucht um eine körperliche Erfahrung zu machen. Dieser hier heisst ‹Symbiotic Seeing› und dreht sich, laut Flyer, um «das Verhältnis und Zusammenspiel von menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren auf der Erde». Nun, was nach Geschwurbel klingt, klärt sich, wenn man sich die Mühe macht, den Katalog zu lesen. Der bekannte Künstler versammelt dort Texte von Natur- und Kulturwissenschaftlern, die sich um das Miteinander im Angesicht des Klimanotstandes drehen. Die These: Survival of the fittest ist out, Symbiose ist gefragt. Der Katalog ist Gebrauchsanweisung für den Urschleim-Raum. Oder, andersherum: Der Raum ist der Soundtrack zu den Texten. Wer mit zu viel Theorie nichts anfangen kann, der ist bei Olafur Eliasson trotzdem gut aufg...
Ab in die Ursuppe!

Olafur Eliassons Ausstellungen sensibilisieren rund um den Globus unsere Wahrnehmung von Natur und wie wir sie zerstören. Für Symbiose statt Auslese plädiert seine neue, sinnliche Installation in Zürich.

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