Die neue NCCFN-Kollektion «For the people» in Koopereration mit Rework. Fotos: Florian Spring

We the people

«Textilien zu dekonstruieren muss kein Kunstprojekt bleiben – es bietet Chancen für die gesamte Modeindustrie», sagt Nina Jaun. Ihre neuste NCCFN-Kollektion zeigt, wie es geht.

Das Label NCCFN steht für ‹Nothing can come from nothing› und parodiert kapitalistische Mechanismen (siehe HP 4/19). Nun kooperiert Modemacherin Nina Jaun für ihr neustes Projekt mit ‹Rework›, einer Tochterfirma des Kleiderladens Fizzen. Beide beabsichtigen, aufgewertete Altkleider als massentaugliche Alternative zu Fast Fashion zu positionieren. So reiste das NCCFN-Kollektiv vergangenen Herbst nach Indien: Im Staat Gujarat, nördlich von Mumbai, in einer Freihandelszone, die als Sortierzentrum der Altkleiderindustrie dient, führt ‹Rework› eine kleine Produktionsstätte. «Ich wollte mich direkt vor Ort mit den Aspekten von «lokal/global» auseinandersetzen, inspirieren zu lassen, Kontakte knüpfen – inmitten von Abfallkleiderbergen», sagt Nina Jaun.

Die «Rework»-Produktionsstätte in Gujarat.
So entstanden Stücke, die zwar aufgrund der unterschiedlichsten Altkleider Unikate bleiben, den seriellen Charakter aber ins Zentrum stellen. Grundlage für die Kollektion ‹For The People› sind klassische Fast Fashion-Basics wie Sweaters, Polo- und T-Shirts. Diese bedruckt das Mode-Kollektiv mit verallgemeinernden Phrasen wie ‹Fashion›, ‹Sport› oder schlicht ‹NCCFN›, um sie so massenproduziert wie möglich wirken zu lassen.

Grundlage für die Kollektion ‹For The People› sind klassische Fast Fashion-Basics.
Doch es werden keine neuen Materialien produziert, sondern bestehendes  nach neuen Schnittmustern abgeändert. «Ressourcenschonende Mode soll nicht das Privileg einer gutverdienenden Schicht bleiben», sagt Nina Jaun. Genäht wird in Indien, einem sogenannten Billiglohnland – aber explizit nicht anonym, wie es die allermeisten Kleidermarken des Westens tun, sondern im eigenen Nähatelier mit direktem Austausch. «Textilien zu dekonstruieren muss kein Kunstprojekt bleiben, sondern bietet Chancen für die gesamte Modeindustrie», schliesst die Designerin.

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