Die Lehrwerkstätte kämpft dafür, weiterhin Möbelschreiner auszubilden. Fotos: zVg

Kampf für die Lehrwerkstätte für Möbelschreiner

Die Zürcher Lehrwerkstätte für Möbelschreiner droht weggespart zu werden. Doch gegen die Schliessung regt sich Widerstand. Der grösste Betrieb für Schreinerlehrlinge im Kanton soll gerettet werden.

Die Zürcher Lehrwerkstätte für Möbelschreiner soll weggespart werden. Gegen die drohende Schliessung des grössten Betriebs für Schreinerlehrlinge im Kanton Zürich regte sich allerdings Widerstand. Dabei kann Markus Bosshard, Leiter der Lehrwerkstätte, auf die Hilfe von seinen Lehrlingen, von Ehemaligen und Eltern zählen. Und er setzt auf gute Kontakte zu Kantonsräten. Denn der Entscheid des Regierungsrates muss, weil er eine Gesetzesänderung voraussetzt, nochmals vor den Kantonsrat.

An der Qualität liegt es nicht. Seit 128 Jahren bildet die Lehrwerkstätte gut qualifizierte Möbelschreinerinnen und -schreiner aus. Ihr Können zeigten sie unter anderem bei der Restaurierung der Holzarbeiten in der Villa Patumbah oder bei der Rekonstruktion des völlig ausgebrannten Zunftsaales in der Zunft zu Zimmerleuten. Und die Nachfrage stimmt: Jedes Jahr bewerben sich 50 bis 60 junge Menschen für die rund elf Lehrstellen.

Doch weshalb droht dem Vorzeigebetrieb der dualen Ausbildung, der allseits gelobt wird, überhaupt die Schliessung? Der Finanzhaushalt des Kantons Zürich muss bis 2019 um satte 1,8 Milliarden Franken entlastet werden. Als eine unter 125 Massnahmen fällt auch die Lehrwerkstätte darunter. Ihre Schliessung soll schrittweise erfolgen: Im Schuljahr 2017/18 dürfen keine neuen Lehrlinge mehr aufgenommen werden, in vier Jahren wäre endgültig Schluss. Damit könnte rund 6,4 Millionen Franken gespart werden. Zudem, so argumentiert das Mittelschul- und Berufsbildungsamt, sei es nicht Aufgabe des Kantons, Lehrstellen in eigenen Lehrwerkstätten anzubieten.

Inzwischen führten Markus Bosshard und seine Mitstreiter Gespräche mit Bildungsdirektorin Silvia Steiner, mit Kantonsräten und Kantonsrätinnen. «Im Moment arbeiten wir daran, dass die Lehrwerkstätte in eine neue Trägerschaft überführt werden kann. Ein solches Vorgehen würde seitens der Regierung begrüsst und entsprechend unterstützt, ebenso würde sich im Kantonsrat dafür wohl eine politische Mehrheit finden lassen», ist Markus Bosshard überzeugt.

Schützenhilfe erhält er vom Zürcher Schreinermeisterverband SVZ, der an einer Weiterführung der Lehrwerkstätte interessiert ist. An einer ausserordentlichen Sitzung letzten Montag hat der Vorstand eine Projektgruppe gegründet, die mögliche neue Trägerschaften eruieren und vorschlagen wird. Erste Erkenntnisse sind nach den Sommerferien zu erwarten. Den Lehrlingen wäre es zu wünschen, dass sie weiterhin in einem Betrieb ihren Beruf lernen, der mit einer Lehrabbruchrate von unter 1 Prozent glänzt – der gesamtschweizerische Durchschnitt liegt gemäss dem Schweizerischen Schreinerverband VSSM bei rund einem Viertel.

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