Bislang sind drei Bände der Architekturführer über Frankfurt erschienen.

Frankfurt im Wirtschaftswunder

Anhand von jeweils zehn Bauten zeichnet Herausgeber Wilhelm E. Opatz in drei Bänden die Architekturgeschichte Frankfurts von 1950 bis 1979 nach. Dabei reicht der Blick weit über die Architektur hinaus.

Frankfurt am Main ist in den letzten Jahrzehnten selten rücksichtsvoll mit dem architektonischen Erbe der Nachkriegszeit umgegangen. Der AfE-Turm der Goethe-Universität wurde 2014 gesprengt, die Erweiterung des Historischen Museums 2011 abgebrochen, ebenso das Technische Rathaus. Dort steht heute die rekonstruierte Altstadt (siehe Hochparterre 9/18, «Frankfurt: Sehnsucht nach Altstadt»).  Wie andere deutsche Städte wurde Frankfurt im Zweiten Weltkrieg massiv zerstört. Bei der Wahl zur neuen Hauptstadt unterlag sie knapp Bonn. Trotzdem entwickelte sich Frankfurt in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders stark und wurde neben London zum wichtigsten Finanzplatz Europas.

Diese Entwicklung von einer kriegszerstörten Stadt zu einer Wirtschaftsmetropole lässt sich anhand der Architekturführer von Wilhelm E. Opatz schön nachvollziehen. 2014 erschien der erste Band «Architekturführer Frankfurt 1950–1959». Seither sind zwei weitere Bände für die Sechziger- und Siebzigerjahre erschienen. Jeder Band stellt pro Jahr einen Bau vor, also zehn pro Buch plus einen Bonustrack. Was die Architekturführer von anderen abhebt, ist die Einbettung in die Zeitgeschichte. Frankfurt, das war in den 1950er-Jahren die Stadt der Flugdächer, in den Sechzigern Schauplatz protestierender Studentinnen und Studenten und in den Siebzigern «Krankfurt». Frankfurt war und ist aber auch eine Stadt der elektronischen Musik und des Designs. Die drei Bände nennen sich zwar Architekturführer, aber es sind vor allem auch Stimmungsberichte jener Jahrzehnte.

Wilhelm E. Opatz hat als Herausgeber für jeden Band verschiedene Autorinnen und Autoren eingeladen. Im Gegensatz zu vielen Architekturbüchern liest man die Texte gern. Aus ihnen erfährt man mehr über die Bauten und ihre Zeit als sonst üblich. Hier zahlt sich die Beschränkung auf zehn Bauten pro Dekade aus, obwohl man das eine oder andere Gebäude vermissen wird. Freude macht auch die hochwertige Gestaltung der Bücher, der farbige Leineneinband und das hochwertige Papier.

 

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