Lukas Osterwalder, Bereichsleiter Modulares Bauen bei Blumer Lehmann erläutert die Möglichkeiten des Holz-Modulbaus.
Im Auftrag von Blumer Lehmann

Aus Modulen wird Architektur

«Raum ab Werk» lautete das Thema des aktuellen Brownbag-Lunchs. Über die neuen Möglichkeiten des Holz-Modulbaus informierten Lukas Osterwalder von Blumer Lehmann und Falco Herrmann von Sauerbruch Hutton.

«Modulbau ist keine minderwertige Bauweise», sagt Lukas Osterwalder irgendwann, so als müsse er ein altes Vorurteil ausräumen.
Der Bereichsleiter für Modulares Bauen beim Holzbau-Unternehmen Blumer Lehmann weiss aber auch: «Um den Modulbau ist ein Hype entstanden.»
Und darum kann Osterwalder am Brownbag-Lunch der Baumuster-Centrale zahlreiche Beispiele präsentieren, die das Klischee der minderwertigen Bauweise anschaulich widerlegen – vom urbanen Mikro-Living über Co-Working-Spaces bis zum Vier-Sterne-Superior-Hotel am Bodensee.

Stefan Baumberger von der Schweizer Baumustercentrale Zürich begrüsst die Gäste des Brownbag-Lunchs.

Warum aber eigentlich der Hype? Die Gründe sind einfach nachzuvollziehen: Zum einen verlangt die Klimakrise nach natürlichen Werkstoffen und einfach wieder zu verwendenden Bauteilen. Die Modulbauweise in Holz löst diese Anforderungen auf fast schon exemplarische Art und Weise ein. Zum andern ermöglicht die fortschreitende Digitalisierung immer komplexere und individuellere Lösungen, was die Verwendung von Modulen auch für grosse und permanent konzipierte Projekte attraktiv macht. Dazu kommen die Vorteile der schnellen Realisierung und der verlässlichen Planung und Fertigung im Werk, was bei einem engen Zeit- und Kostenrahmen schnell zu einem entscheidenden Faktor wird.

Das Ziel, sagt Osterwalder deshalb, sei ein möglichst hoher Vorfertigungsgrad: Was man von zweidimensionalen Elementen wie vorgefertigten Wänden bereits kenne, werde beim Modulbau in die dritte Dimension übertragen und mit Haustechnik und Innenausbau ergänzt. Es entsteht der titelgebende «Raum ab Werk». Mit Container-Ästhetik hat dieser nur noch wenig zu tun hat.

Je nach Projekt kommt das im Modulbau angelegte Thema der temporären Nutzung aber weiterhin zum Tragen. So wurden beispielsweise die Module für das provisorische Bergrestaurant auf dem Chäserrugg nach Fertigstellung des Neubaus von Herzog & de Meuron (ebenfalls ein Holzubau von Blumer Lehmann) abgebaut und im Werk von Blumer Lehmann in Gossau mit wenig Aufwand umgebaut. Heute dienen sie FAT Architects als modernes Bürogebäude – Kreislaufwirtschaft einfach gemacht.

Dass die Gestaltungsfreiheit bei der Modulbauweise trotz Flexibilität in der Produktion gewissen Beschränkungen unterliegt, ist klar. Dass ein Modulbau aber nicht zwangsläufig das Bild von gestapelten Kisten hervorrufen muss, zeigt Osterwalder anhand von Schalungsvariationen, von vorgeblendeten Elementen oder von verschiedenen Fenster- und Verschattungsarten.

Wie das international tätige Büro Sauerbruch Hutton mit Modulen arbeitet, zeigte Partner Falco Herrmann in seinem Vortrag auf.

In dieselbe Richtung weist der Vortrag von Falco Herrmann, Partner bei Sauerbruch Hutton. Das international tätige Büro mit Sitz in Berlin interessiert sich seit längerem für die Möglichkeiten des modularen Bauens. So war das Universal Design Quartier in Hamburg – ein Studierendenwohheim mit Übernamen «Woody» – zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung 2017 das weltweit grösste Wohnbauprojekt in Holz-Modulbauweise. Auf einem Tisch aus Sichtbeton stapeln sich hier 370 Raumeinheiten zu einem grossstädtischen anmutenden Volumen. Wie Herrmann ausführt, wurden die Module in Massivbauweise geplant und komplett vorgefertigt angeliefert – inklusive Haustechnikschacht und Möbeleinbauten. Eine Fassade aus variierenden vorgehängten Holzelementen überspielt mit einem geometrischen Muster das Fugenraster der Module.

Erst kürzlich fertiggestellt haben Sauerbruch Hutton den «Luisenblock» in Berlin, ein Gebäude mit Büros und Konferenzräumen für den Deutschen Bundestag. Auch dieser Bau besteht zur Hauptsache aus vorgefertigten Massivholzmodulen, einzig der lastabtragende Kern, die Bodenplatte und das zentrale Atrium greifen auf Beton zurück. Für die Arbeit mit Modulen sprach hier nicht nur die äusserst kurze Realisierungszeit, sondern einmal mehr der Nachhaltigkeitsgedanke: Die 470 Module wie auch die Fassade können leicht wieder auseinandergenommen, an einem anderen Ort wiederverwendet oder recycelt werden. Wie ein Provisorium sieht der Luisenblock trotzdem nicht aus. Im Gegenteil belegt der elegante Bau inmitten des Berliner Regierungsviertels, wie sich mit Holzmodulen heute hochwertige Architektur realisieren lässt.

Im Anschluss an den Brownbag-Lunch waren alle Interessierten zu einer Werkbesichtigung bei Blumer Lehmann in Gossau eingeladen.

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