Thomas Schregenberger, ZHAW-Dozent, stellt das Projekt vor. (Foto: Bartosz Stawiarski)

Schweizer Tage in Warschau (2): Das ZHAW-Projekt am Festival

Wer Hochparterre abonniert hat, erhielt mit dem Oktoberheft das Themenheft «Warschau Mitte». Das Modell, dass darin seinen Auftritt hatte, ist zu Gast am Festival «Warszawa w budowie».

Wer Hochparterre abonniert hat, erhielt mit dem Oktoberheft das Themenheft «Warschau Mitte». Das grosse Modell, dass darin einen prominenten Auftritt hatte, war Anfang Monat nach Warschau gereist. Das Stadtmodell, die dazugehörigen Pläne und Erläuterungen sind dort zu Gast am Architekturfestival «Warszawa w budowie» («Warschau im Bau»), das dieses Jahr zum siebten Mal stattfindet. Das Thema ist diesmal die Debatte um den Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg und die daraus resultierenden Folgen für die heutige Stadt. Organisatoren sind das Museum für Moderne Kunst und das Warschauer Stadtmuseum.

Das im Themenheft vorgestellte Projekt für die Bebauung des Areals um den Kulturpalast ist die Abschlussarbeit des Bachelor-Studiengangs der Architekturabteilung der ZHAW in Winterthur vom Juni 2014. Es reiht sich ein in die unzähligen Vorschläge, die für dieses Areal bereits vorgelegt wurden, und es steht im Gegensatz zu dem seit 2010 gültigen Bebauungsplan.

 

Vielfältige Debatte

Bereits im Vorfeld war das Interesse gross, und auch am Eröffnungsabend war das eindrückliche Modell ein Blickfang der Ausstellung. Doch wie werden die Warschauerinnen und Warschauer den Vorschlag aufnehmen? Gut 80 Personen verfolgten am letzten Sonntagnachmittag das Podiumsgespräch zum Projekt. Thomas Schregenberger, einer der involvierten Dozenten, stellte das Projekt vor, anschliessend stellten sich er und der für das Heft verantwortliche Redaktor Werner Huber den Fragen der Moderatorin und des Publikums. Schregenberger fokussierte sich eher auf die stadträumlichen, architektonischen aber auch pädagogischen Aspekte des Projekts, Huber stellte die Verbindung zur aktuellen Planungsdiskussion in Warschau her.

Die Diskussion spielte sich auf verschiedenen Ebenen ab: Man sprach über die Qualitäten des Entwurfs und seine Einbindung in die umgebende Stadtstruktur. Immer wieder tauchte aber auch die Frage nach Hochhäusern auf. Der geltende Bebauungsplan lässt auf dem Areal Türme zu, die den ungeliebten Kulturpalast kaschieren sollen. Noch immer reiben sich daran nämlich die Gemüter – vor allem die ältere Generation sieht im monumentalen Hochhaus in erster Linie ein stalinistisches Machtsymbol, während die Jüngeren die architektonischen Qualitäten hervorheben.

Über die räumlichen Qualitäten der vorgeschlagenen Strassen und Plätze waren die Meinungen ebenfalls geteilt. Doch als eine Zuschauerin die vielen Kolonnaden hinterfragte, stellte die Moderatorin klar: Kolonnaden könne es in Warschau, wo es im Winter nass und im Sommer heiss sei, gar nicht genug geben. Eine Landschaftsarchitektin lobte ausdrücklich die Kolonnaden als idealen Übergangsraum von aussen nach innen, und sie schätzte die räumlichen Qualitäten des städtischen Gefüges.

Aller Kritik zum Trotz, die im Verlauf der zweistündigen Debatte geäussert wurde, am Schluss gab es viel Lob. Insbesondere Grzegorz Buczek, ein Planungsfachmann und Polytechnikums-Professor, brachte es auf den Punkt. Er meinte, die auch von ihm geäusserte Kritik betreffe Details. Insgesamt sei die Arbeit eine grosse Leistung und ein wichtiger Diskussionsbeitrag. Und vor allem: Die Architekturabteilung der ZHAW habe ein Projekt gemacht, und darüber könne man jetzt diskutieren. Die Architekturabteilung des Warschauer Polytechnikums hingegen habe sich bislang um dieses für Warschau so wichtige Grundstück nicht gekümmert. Er werde nun dafür sorgen, dass das ändere.

Wer in Warschau ist: Hingehen!

Die Debatte am Sonntag war die erste Veranstaltung im dicht bepackten Programm des Festivals. Dieses dauert noch bis zum 10. November und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Dem Kurator Tomasz Fudala und seinem Team gebührt grosses Lob für die hervorragend gemachte Ausstellung und grosser Dank für das Gastrecht, das er dem ZHAW-Projekt und dem Hochparterre-Projekt gewährte!

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